Trends in der amerikanischen Traberzucht
vom 18.06.2015

(jg) – Nachdem Traber-News.com vor einigen Wochen Trends der französischen Traberzucht besprochen hat, möchten wir heute auf Tendenzen der Traberzucht in Nordamerika aufmerksam machen.

Anmerken möchten wir, dass zwischen dem Zuchtgeschehen in Nordamerika und Europa Unterschiede festzustellen sind. Die Trends auf beiden Kontinenten sind derzeit (noch) nicht identisch. Wohl ist festzustellen, dass ein minimaler europäischer Zuchteinfluss in den letzten Jahren in Amerika stattgefunden hat – z.B. durch Revenue, Vater des Hambletoniansiegers Market Share, Varenne oder Toss Out, Mütterväter der Topstuten Check Me Out und Mission Brief, – der überwiegende Austausch von Pferden verläuft jedoch weiterhin in einer Einbahnstraße von Amerika nach Europa.

Das könnte sich im Falle einer verstärkten Teilnahme europäischer Pferde am Renngeschehen in Nordamerika ändern, ist derzeit aber nicht zu vermuten. Aus diesem Grund bleiben amerikanische Trends in jedem Fall Zukunft bestimmend für die europäische Traberzucht.

Trend Nr. 1: Muscle Hill
Der 2006 geborene Muscles Yankee-Sohn ist mit seinen beiden ersten Jahrgängen das Maß aller Dinge des nordamerikanischen Sulkysports gewesen. Aus seinem ersten Jahrgang stammt Hambletoniansieger Trixton (2011 a.d. Emilie Cas El v. Garland Lobell) und aus seinem zweiten Jahrgang Mission Brief (2012 a.d. Southwind Serena v. Varenne), der schnellste zweijährige Traber aller Zeiten. Sein Sohn Canepa Hanover (2012 a.d. Cressida Hanover v. Mr. Lavec) ist aktuell der schnellste Dreijährige der Saison 2015. In der Durchschnittsgewinnsumme aller gestarteten Nachkommen nahm Muscle Hill 2014 den ersten Rang unter Nordamerikas Vaterpferden ein. Seine Nachkommen erzielten Höchstpreise auf Auktionen.

Keineswegs überraschend ist, dass Muscle Hills bislang erfolgreichstes Produkt, Trixton, aus der Verbindung mit einer Garland Lobell-Tochter stammt. Auch E L Titan besitzt dieses Zuchtmerkmal. Dies ist der klassische Cross, der auch bei den Hambletoniansiegern Broad Bahn (Broadway Hall / Donerail) und Donato Hanover (Andover Hall / Donerail) zu beobachten ist und bei den letztjährigen Zweijährigenstars Pinkman (Explosive Matter / Angus Hall) und Habitat (Conway Hall / Muscles Yankee) und bei Nuncio (Andover Hall / Lindy Lane) und Shake It Cerry (Donato Hanover / Yankee Glide).

Eine interessante Variante für die Zucht mit Muscle Hill tut sich mit der Rückführung des Valley Victory-Blutes auf. Die Anpaarung z.B. mit Self Possessed-, Lindy Lane- oder Yankee Glide-Töchtern hat zu bemerkenswerten Ergebnissen geführt. Beispielhaft nennen wir Muscle Diamond (a.d. Windylane Hanover v. Lindy Lane), Odds On Amethyst (a.d. Mystical Sunshine v. Yankee Glide) und Aldebaran Eagle (a.d. Letsjusttalkaboutme v. Self Possessed), die die Valley Victory-Hengstlinie sowohl in ihrer oberen als auch unteren Pedigreehälfte on top führen.

Muscle Hill und seine Söhne werden mit einiger Wahrscheinlichkeit die Richtung der US-Traberzucht in den kommenden Jahren angeben. Uns würde es nicht überraschen, wenn Trixton, der im Prinzip wie Cantab Hall gezogen ist, seine größten Zuchterfolge mit Töchtern aus der Valley Victory-Hengstlinie erzielt.

Trend Nr. 2: Cantab Hall
Mit Cantab Hall (geb. 2001) hat sich ein neuer Zweig der Valley Victory-Hengstlinie aufgetan, was der amerikanischen Traberzucht sehr zum Vorteil gereicht. Ob man es mag oder nicht, wir haben das Phänomen der Rückführung des Blutes auf ein und dieselbe Hengstlinie früher schon beobachtet, und es hat funktioniert.

Man vergleiche z.B. das Pedigree von Explosive Matter und Pine Chip und erkennt dasselbe Muster. Vater und Mutter entspringen derselben Hengstlinie. Explosive Matter ist in vierter und dritter Generation auf Valley Victory liniengezogen und Pine Chip ist in dritter und vierter Generation auf Speedy Scot liniengezogen. Pine Chip ist ein großartiger Vererber, der mit Scarlet Knight und Chip Chip Hooray zwei Hambletoniansieger gezeugt hat. Auch Peter the Great, einer der wichtigsten Hengste in der Geschichte der Traberzucht, war nach diesem Prinzip gezogen.

Dieses Zuchtrezept hat auch schon bei Cantab Hall zu bemerkenswerten Ergebnissen geführt, z.B. Lifetime Pursuit (Cantab Hall / Yankee Glide) und Smexi (Explosive Matter / Yankee Glide). Letztere weist sogar einen dreifachen Anschluss zu Valley Victory auf.

Cantab Hall besitzt mehrere Trümpfe im Ärmel. Der Anfang mit Explosive Matter (2006 a.d. Fireworks Hanover v. Muscles Yankee) war gut, die Hoffnungen ruhen jetzt auf Father Patrick (2011 a.d. Gala Dream v. Enjoy Lavec).

Weitere Empfehlungen auszusprechen fällt uns angesichts der deutlich positiven Anzeichen zugunsten der Erben Valley Victorys schwer. Beim 11jährigen Donato Hanover z.B. ist man ein wenig nervös geworden, denn noch immer zeichnet sich kein legitimer Nachfolger für diesen Hengst ab. Vier Jahrgänge von Donato Hanover befinden sich mittlerweile auf der Rennbahn. Zum großen Leidwesen sind es vornehmlich seine Töchter die für Furore sorgen (2009: Check Me Out a.d. Illusion Bi v. Toss Out, 2010: Mistery Woman a.d. My Dolly’s Dream v. Pine Chip, 2011: Shake It Cerry a.d. Solveig v. Yankee Glide). Der in dieser Saison noch ungeschlagene Uncle Lasse (2012 a.d. Solveig v. Yankee Glide) ist vielleicht schon die letzte Chance für Donato Hanover.

Gleiches gilt für die Erben des mittlerweile 18jährigen Credit Winner. Sein gewinnreichster Sohn, Chocolatier (2003 a.d. Maple Frosting v. Valley Victory), ist längst aus Amerika verbannt. Anderen Söhne wie Archangel (2009 a.d. Michelle’s Angel v. Andover Hall), Dejarmbro (2008 a.d. Armbro Deja Vu v. Donerail), Calchips Brute (2006 a.d. Petite Serenade v. Sierra Kosmos), Crazed (2005 a.d. Mary Lou Hall v. Mr. Lavec) oder Here Comes Herbie (2003 a.d. D Train v. Donerail) ist der Zugang zu den blaublütigen Stuten Amerikas weitestgehend verwehrt. Der Ausblick ist also negativ.