Trends in der französischen Traberzucht
vom 27.05.2015

(jg) – Trends rechtzeitig zu erkennen und zu nutzen kann für Rennstallbesitzer wie Züchter oftmals Bares bedeuten.

In der deutschen Traberzucht haben französische Deckhengste in jüngster Vergangenheit stetig an Beliebtheit gewonnen. Gegenüber ihren amerikanischen Konkurrenten besitzen sie den Vorteil, dass ihre Dienste weitaus preiswerter angeboten werden. Bevor man sich aber für die französische Alternative entscheidet, sollte man wissen, wohin der Zug in Frankreich fährt, um nicht sprichwörtlich auf das falsche Pferd zu setzen.

Es dürfte jedem hinlänglich bekannt sein, dass die französische Traberzucht in den vergangenen Jahrzehnten, nach zeitweiser Öffnung des Gestütsbuches, eine entscheidende Richtungsänderung genommen hat. Traber-News.com hat hierüber ausführlich berichtet. Das Blut von Star’s Pride, Speedy Crown und Sharif di Jesolo war vor 1980 in der französischen Traberzucht nicht vorhanden. Heute stammen zwei Drittel aller französischen Erfolgspferde väterlicherseits von diesen drei Hengsten ab. So unterliegt jede Leistungszucht stetigen Veränderungen. Über die jüngsten Geschehnisse in der französischen Traberzucht möchten wir aufmerksam machen.

Wer sich mit französischen Zuchtpferden beschäftigt, wird feststellen, dass der Gen-Pool in Frankreich sehr viel breiter angelegt ist als beispielsweise in Amerika. Acht unterschiedliche Hengstlinien waren in der französischen Traberzucht bis vor kurzem noch auffindbar (Star’s Pride, Speedy Crown, Sharif di Jesolo, Sam Williams, Calumet Delco, The Great McKinney, Fuschia und Phaeton). Die ersten sechs Stämme unserer Auflistung besitzen alle ihren Ursprung in Hambletonian.

Trend Nr. 1: Viking’s Way
Durch den Import der Hengste Mickey Viking, Florestan, Granit und Kimberland hat die Star’s Pride-Hengstlinie in Frankreich gewaltig an Bedeutung gewonnen. Zunächst galt Florestan mit seinen zahlreichen Söhnen als Garant, das Star’s Pride-Blut in Frankreich auf lange Zeit zu verankern. Der Trend zeigt jedoch in Richtung Viking’s Way.

Durch Ready Cash (TF 54%) und Jag de Bellouet (TF 59%) hat das Pendel mittlerweile zu Gunsten der Nachkommen des Mickey Viking-Sohns Viking’s Way ausgeschlagen. Insbesondere auf Ready Cash beruhen die Hoffnungen. Seine Söhne, allen voran Bold Eagle (TF 47%), werden bereits zu Gestütsdiensten herangezogen. Jag de Bellouets Hoffnungsträger heißt Opus Viervil (TF 63%) und dessen Sohn Voltigeur de Myrt (TF 72%). Mit Timoko (TF 64%) steht ein weiterer interessanter Vertreter der Viking’s Way-Hengstlinie in den Startlöchern.

Mit TF (Trotteur Francais) haben wir den Anteil französischen Bluts (alle Angaben lt. Bloodbank) bei den jungen Hengsten vermerkt. Wir meinen, dass ein hoher Anteil amerikanischen Bluts von Vorteil für die Gestütskarriere eines französischen Hengstes ist. Jedenfalls haben in den vergangenen Jahrzehnten französische Hengste mit hohem amerikanischen Blutanteil wesentlich mehr Erfolge erlangt als Hengste mit niedrigem amerikanischen Blutanteil. Das ist Fakt.

Erwähnung verdient, dass die Verbindung von Hengsten der Star’s Pride-Linie mit Stuten aus der Speedy Crown-Linie in den letzten fünf Jahren am erfolgreichsten war. Als Beispiel nennen wir Avila (Ready Cash / Workaholic), Brillantissime (Ready Cash / Buvetier d’Aunou), Uhlan du Val (Islero de Bellouet / Beautiful Somolli), Astor du Quenne (Opus Viervil / Extreme Aunou) und Akim du Cap Vert (First de Retz / Cezio Josselyn).

Als besonders erfolgreiche Stutenväter der Star’s Pride-Hengstlinie der letzten fünf Jahre verdienen Extreme Dream und Viking’s Way hervorgehoben zu werden. Extreme Dream-Töchter sind beispielsweise für die Gruppe 1-Sieger Union d’Urzy, Ulysse und The Lovely Gwen verantwortlich, während die Viking’s Way-Tochter Engane du Perthois den Sattelspezialisten Vanishing Point brachte.

Trend Nr. 2: Goetmals Wood
Obwohl der italienische Champion Sharif di Jesolo nie in Frankreich gedeckt hat, scheint der Fortbestand dieser Hengstlinie am ehesten in Frankreich gesichert. And Arifant, Biesolo und Capriccio waren hier seine bedeutendsten Söhne.

Der Trend läuft eindeutig auf And Arifants Sohn Goetmals Wood (TF 59%) hinaus, der eine Vielzahl erfolgreicher Söhne im Gestüt besitzt. Password (TF 50%), Prodigious (TF 60%), Sam Bourbon (TF 49%) und Very Pleasant (TF 50%) möchten wir herausheben.

Den größten Profit erfahren die Hengste der Sharif di Jesolo-Linie in der Verbindung mit Stuten aus der Sam Williams-Linie. Hier insbesondere durch Coktail Jet-Töchter. Wir nennen Anastasia Fella (Goetmals Wood / Coktail Jet), Uaukir (Password / Cedre du Vivier), Boccador de Simm (Rieussec / Hetre Vert) und Che Jenilou (Goetmals Wood / Blue Eyes America).

Auch als Stutenvater scheint Goetmals Wood, ebenso wie sein Vater And Arifant, vor einer erfolgreichen Karriere zu stehen. Amiral Sacha und Atlessima legen hierfür Zeugnis ab.

Trend Nr. 3: Coktail Jet
Der eindeutig stärkste Trend in der französischen Traberzucht führt uns zu Coktail Jet (TF 36%) und seinen Söhnen Love You (TF 43%), Kiwi (TF 53%), Look de Star (TF 57%), Magnificent Rodney (TF 53%) und Love Yous Vollbruder Repeat Love (TF 43%). Auch von The Best Madrik (TF 52%) erwarten wir einiges.

Kiwi besitzt mit Quaro (TF 49%) bereits einen erfolgreichen Sohn in der Zucht, ebenso Love You mit Quaker Jet (TF 47%) und Rocklyn (TF 49%). Weitere hoffnungsvolle Junghengste aus der Coktail Jet-Linie sind Uniclove (TF 49%), Village Mystic (TF 55%), Booster Winner (TF 54%) und Aladin d’Ecajeul (TF 53%). Um die Fortführung dieser Hengstlinie braucht man sich in Frankreich derzeit keine Sorgen zu machen.

Die Söhne Coktail Jets klicken besonders erfolgreich mit Töchtern von Hengsten der Star’s Pride- und Speedy Crown-Linie. Zum Beispiel Ulysse (Love You / Extreme Dream), Union d’Urzy (Coktail Jet / Extreme Dream), Village Mystic (Love You / Full Account) oder Aladin d’Ecajeul (Quaker Jet / Halimede). Als Stutenvater nimmt Coktail Jet schon jetzt eine überragende Stellung in der französischen Traberzucht ein. Seine Töchter waren in den vergangenen Jahren mit Abstand für die meisten Gruppe-Sieger verantwortlich (Texas Charm, Trophy Charm, Anastasia Fella).

Nicht im Trend liegt derzeit der französische Hengststamm von Fuschia, aber auch die amerikanischen Stämme von The Great McKinney und Speedy Crown. In der Regel weisen die Nachkommen dieser Familien einen risikobehafteten hohen Anteil französischen Traberbluts auf.

Eine Ausnahme bildet Prix d’Amerique-Sieger Offshore Dream (TF 53%), der außerhalb Frankreichs bislang mehr Erfolge aufweisen kann als in seiner Heimat selbst. Sein Sohn Univers Turgot (TF 46%) hat im Gestüt wohl zu wenig Interesse erweckt, ansonsten hätte man den Hengst nach drei Jahren Rennunterbrechung 2015 nicht in den Rennbetrieb zurückbeordert.

Die The Great McKinney-Hengstlinie bleibt (vorerst) durch Orlando Vici (TF 63%) am Leben. Eine Zukunft sehen wir jedoch nicht. Unklar ist derzeit auch, wohin der Weg der zahlreichen Hengste aus der Speedy Crown-Linie in Frankreich führt. Buvetier d’Aunous Söhne mit Ganymede an der Spitze tun sich schwer, Nachfolger zu ermitteln. Cygnus d’Odyssee und Cezio Josselyn hoffen und bangen zugleich. Defi d’Aunous Söhne kann man abschreiben.

Im Moment erweist sich der Speedy Crown-Stamm als ideale Ergänzung zu den männlichen Nachkommen Viking’s Ways und Coktail Jets. In der unteren Pedigreehälfte erfolgreicher Rennpferde sind die Abkömmlinge Speedy Crowns sehr prominent vertreten. Töchter von Workaholic, Cezio Josselyn, Defi d’Aunou und Buvetier d’Aunou haben in den letzten Jahren viele Stars der Rennbahn geliefert. Zum Beispiel Vision Intense (Prodigious / Cezio Josselyn), Aladin d’Ecajeul (Quaker Jet / Halimede), Avila (Ready Cash / Workaholic), Uniclove (Look de Star / Workaholic), Brillantissime (Ready Cash / Buvetier d’Aunou), Villeroi (Oiseau de Feux / Defi d’Aunou) oder Uhlan du Val (Islero de Bellouet / Beautiful Somolli).