Wird Up And Quick zum neuen König von Vincennes?
vom 20.01.2015

(jg) – Am Sonntag steht der 95. Prix d’Amerique zur Entscheidung an. Mit einer Dotation von einer Million Euro ist es das höchstdotierte Trabrennen der Welt. Die Favoritenbürde wird der siebenjährige französische Hengst Up And Quick tragen.

Up And Quick, gezüchtet und im Besitz der Ecurie Quick Star, kann am Sonntag nach dem doppelten Rücktritt von Ready Cash zum neuen Helden der Grande Nation werden. Im vergangenen Jahr durchkreuzten die schwedischen Eindringlinge Maharajah und Noras Bean diesen Wachwechsel, denn der Schützling von Meisterfahrer Jean-Michel Bazire und Franc Leblanc belegte im Rennen der Rennen vor 12 Monaten den zweiten Platz und versagte als Favorit im Prix de France. Diesmal muss es klappen.

Die bisherige Rennlaufbahn von Up And Quick liefert den Beweis für den typischen französischen Spätstarter. In unserer Abhandlung über den französischen U-Jahrgang vor zwei Jahren (http://www.traber-news.com/article-18/items/der-franzoesische-u-jahrgang-geb-2008.html) nahm Up And Quick nur einen Platz unter vielen ein. An der Spitze des Jahrgangs nach drei Rennsaisons 2012 stand Up And Quicks Stallgefährte Unique Quick, von dem man heute nichts mehr hört. Erstmals in der zweiten Jahreshälfte 2012 hatte der Sohn des ehemaligen französischen Championvererbers Buvetier d’Aunou mit einem Sieg auf Gruppe 2-Ebene auf sich aufmerksam gemacht. Mit dritten Plätzen im Großen Preis der U.E.T. in Gelsenkirchen und im Criterium Continental bestätigte Up And Quick später seinen Aufstieg zur Jahrgangsspitze.

Das Siegen fiel Up And Quick auch 2013 schwer. Nur zwei Erfolge zierten seine Bilanz. Mit dem Criterium des 5 Ans, gegen Uhlan du Val, seinen möglicherweise schärfsten Konkurrenten auf den Prix d’Amerique-Titel 2015, befand sich hierunter aber ein Hochkaräter. Ansonsten waren es vornehmlich Platzgelder, die der Ecurie Quick Star-Crack sammelte. Zweiter in den Gruppe 2-Rennen Prix de Croix (hinter Un Mec d’Heripre), Prix Ovide Moulinet (hinter Unique Quick), Prix Henri Levesque (hinter Univers de Pan), Prix Albert Demarcq (hinter Univers de Pan), Sweden Cup (hinter Owen’s Club) und Prix de Bretagne (hinter Uhlan du Val).

Nur sieben Starts absolvierte Up And Quick 2014. Er gewann den Prix Tenor de Baune und den Grand Prix de Paris. Danach verabschiedete sich der Hengst in eine fast neunmonatige Rennpause mit Gestütspflichten. Erst am 15. November im Prix de Bretagne gab es ein Wiederauftreten, das völlig unspektakulär mit einem Platz im Hintertreffen endete. Auch der Prix du Bourbonnais am 9. Dezember lieferte wenig Aufschlüsse über die Verfassung des Hengstes.

Das änderte sich schlagartig mit dem zweiten Platz im toten Rennen im Prix de Bourgogne am 28. Dezember und dem vierten Rang vor 14 Tagen im Prix de Belgique, wo Up And Quick als einziges Pferd eine 25 Meter Zulage wettzumachen hatte. Nun war klar, mit Up And Quick muss man rechnen. Möglicherweise ist der Hengst das Pferd, über den der Sieg im Prix d’Amerique führen wird.

Up And Quick hat das Pech, einer der letzten Nachkommen seines Vaters Buvetier d’Aunou (v. Royal Prestige v. Speedy Crown) zu sein. Für die schnelllebige Pferdezucht ist er daher nicht mehr sonderlich interessant. Buvetier d’Aunous erster Jahrgang wurde 1994 geboren. Hierunter befand sich auch Ganymede, der aktuelle französische Vaterpferdchampion des Jahres 2014. Weitere erfolgreiche Buvetier d’Aunou-Söhne in der französischen Traberzucht sind Gobernador, Gros Grain, Halimede, Hasting, Hello Jo, Hermes du Buisson und Otello Pierji. Alles Hengste, die schon viele Jahre in der Zucht wirken.

Ein Blick auf die untere Pedigreehälfte des Prix d’Amerique-Favoriten macht die Sache nicht besser. Es ist die Familie der Fulvie, in deren Reihen man durchaus prominente Namen ausfindig macht. Hierzu gehören Gerhard Krügers Star-Traber Pick Wick, Sieger in zahlreichen europäischen Elite-Prüfungen, u.a. Prix de l’Atlantique, Elite-Rennen, Matadoren-Rennen, Ipson de Mormal, Sebrazac oder aus jüngerer Zeit Reve de Beylev und Voyage de Reve.

Sie alle haben aber von ihrer Herkunft trotzdem relativ wenig zu tun mit Up And Quick, dessen mütterlicher Zweig über viele Generationen ohne wesentliche Glanzpunkte verlief. Das änderte sich erstmals mit der 1973 geborenen Hesterelle v. Vigneron, Up And Quicks Urgroßmutter, die ein erfolgreiches Rennpferd gewesen sein muss. Sie brachte es auf einen Rekord von 1.17,6 und 114.626 Euro Gewinne.

Ihre Produktion war grauenvoll. Sieben Nachkommen, von denen nur einer siegreich lief. Ihre Tochter Tadjikie, geb. 1985 v. Jonc d’Anson, hinterließ nur zwei Produkte, von denen Fichtre 4, 1:17,2 – 69.654 Euro, geb. 1993 v. Quiton du Coral, unser Interesse gilt.

Sie ist die Mutter von Up And Quick, und ihre Produktion ist fabelhaft. Bis auf ihren letzten 2009 geborenen Nachkommen brachte sie nur Sieger, darunter mit Touch of Quick 1:11,5 – 369.140 Euro v. Jasmin de Flore und Up And Quick 1.10,6 – 1.291.060 Euro v. Buvetier d’Aunou zwei Superstars. Aber auch Quorum Quick 1:13,8 – 251.970 Euro v. Hastings, Pelicano Quick 1:13,8 – 226.350 Euro v. Baccarat du Pont, Star Quick 1.13,1 – 132.020 Euro v. Blue Dream und Over Quick 1.13,2 – 131.660 Euro v. Cygnus d’Odyssee haben Ehre für ihre Mutter eingelegt, die sechs 100.000er Nachkommen mit sechs unterschiedlichen Hengsten brachte. Das muss man in Frankreich erst einmal finden!

Über seinen Vater Buvetier d’Aunou führt Up And Quick das Speedy Crown-Blut, in seinem mütterlichen Pedigree zahlreiche Blutanschlüsse zu The Great McKinney, Sam Williams und Net Worth. Dennoch ist Up And Quick ein Outcroos, d.h. frei von doppelten Vorfahren binnen der ersten fünf Generationen.

Up And Quick gab 2014 sein Debüt im Gestüt. Sein erster Jahrgang wird also in diesen Wochen erwartet. Für die Decksaison 2015 werden seine Paschadienste in Frankreich für 7.000 Euro angeboten, außerhalb Frankreichs wesentlich billiger.