Rückblick auf die US-Saison 2014
vom 10.12.2014

(jg) – Mit der Breeders Crown und der TVG Championship ist die Saison der gehobenen Rennen 2014 in Nordamerika beendet. Traber-News.com zieht ein Fazit.

Sebastian K und Maven mögliche Kandidaten für die Jahres-Titel

Für die großen amerikanischen Zuchtfarmen, die den Weg des amerikanischen Sulkysports vorzeichnen, war 2014 ein Jahr des Nachdenkens. „Schuld“ war zunächst einmal Sebastian K, der schwedische Einwanderer mit Franzosenblut, der zu Beginn der Saison die internationalen Rennen Amerikas nach Belieben beherrschte. Das Cutler Memorial (175.000 $) gewann der Korean-Sohn in 1:08,6, das Cashman Memorial (300.650 $) in 1:08,4 und die Crawford Farm Stakes (236.000 $) in 1:10,2. Höhepunkt der Saison war sicherlich der Weltrekordlauf von Sebastian K in 1:07,7 am 28. Juni auf Pocono Downs.

Mit diesen Leistungen hatte der Svanstedt-Schützling Amerikas Traberexperten in Entzücken versetzt. Der Titel „Horse of the Year“ schien nur noch Formsache. Gegen Ende der Saison lief es mit Sebastian K allerdings überhaupt nicht mehr rund. Sebastian K verlor ein Rennen nach dem anderen. Trotzdem glauben wir, dass der Hengst als Favorit auf den Titel „Älterer Traber des Jahres“ angesehen werden muss.

Noch ein weiterer Europäer sorgte für Stirnrunzeln bei den Verantwortlichen amerikanischer Zuchtfarmen: Commander Crowe. Wieder ein Schwede, bereits elf Jahre alt, ebenfalls mit Franzosenblut. Anders als Sebastian K war Commander Crowe den Amerikanern bestens bekannt als er zu Besuch in der neuen Welt auftauchte, so dass der Fuchswallach in der Breeders Crown (500.000 $) vom wettenden Publikum auf den Favoritenschild gehoben wurde und sich dieses Vertrauens würdig zeigte.

Eine „Wundertüte“ stellt Intimidate dar, der gelegentlich zu erstaunlichen Leistungen fähig ist. Der fünfjährige Wallach gewann mit dem Maple Leaf Trot (554.760 $) und der TVG Championship (500.000 $) zwei Hochkaräter. Der Speed des Wallachs ist gefürchtet. Er wäre vielleicht ein Pferd für europäische Mitteldistanzrennen. Auch Creatine scheint für europäische Aufgaben geeignet. Der erst vierjährige Hengst gewann die Allerage Farm Stakes (173.000 $) und American National (166.300 $) und soll 2015 nach Schweden überstellt werden.

Erwähnung verdient der „Traber der Herzen“ Natural Herbie, sowie die guten Stuten Bee A Magician, Classic Martine und Maven. Natural Herbie ist ein vierjähriger Wallach, der sich mit seinem Besitzertrainer Verlin Yoder mehrmals erfolgreich (International Trot Preview 250.000 $) gegen die Großen durchsetzte. Als Jährling wechselte er für 2.000 Dollar den Besitzer. Sein Vater Here Comes Herbie v. Credit Winner ist übrigens ein Halbbruder zu Donato Hanover.

Amerikas Stuten-Elite kannte 2014 insbesondere drei Namen: Classic Martine, Bee A Magician und Maven. Classic Martine war ohne Zweifel das beständigste Pferd. Sie gewann die Finalläufe Armbro Flight (244.720 $) und Miss Versatility (121.000 $) und war Zweite in der Breeders Crown (250.000 $) und Muscle Hill (178.000 $).

Die vierjährige Bee A Magician nahm es während der Saison oftmals gegen die älteren Hengste und Wallache auf, was aber zu keinem vollen Erfolg führte. Erst die Rückkehr unter ihresgleichen ergab den Gewinn eines erneuten Breeders Crown-Titels.

Amerikas aktuell beste Stute aber heißt wohl Maven, die eine sehr unglückliche Saison erlebte. Ihr Ausflug zum Elitloppet führte zum totalen Formverlust der Stute. Erst ein Trainerwechsel, kurz vor ihrem Verkauf im November in Harrisburg für 750.000 Dollar, brachte die Stute wieder in die Erfolgsspur. Ihr neuer Besitzer, Herb Liverman, auch Mitbesitzer von Bee A Magician, wollte ein Aufeinandertreffen beider Stuten in der Breeders Crown umgehen und ließ Maven in der offenen Klasse antreten, wo sie sich gegen Commander Crowe nach ungünstigem Rennverlauf bestens verkaufte. Obwohl der Stute 2014 kein „Big Point“ gelang, verleihen wir ihr unsere Stimme.

Die fünf Gewinnreichsten

Sebastian K 8 H 663.853 $ 13-8-2-0 v. Korean
Intimidate 5 W 626.450 $ 14-5-3-1 v. Justice Hall
Market Share 5 H 568.949 $ 18-4-2-4 v. Revenue
Creatine 4 H 462.011 $ 16-3-3-4 v. Andover Hall
Classic Martine 4 S 438.912 $ 18-9-5-2 v. Classic Photo


Trainer Jimmy Takter mit Father Patrick, Nuncio und Trixton

Die Saison 2014 der dreijährigen Traber Amerikas gehörte einzig und allein den Takter Eleven. Bei den Hengsten ebenso wie bei den Stuten. Trixton, Father Patrick, Nuncio, Shake It Cerry und Lifetime Pursuit gewannen zusammen 21 Rennen mit einer Dotation von 150.000 Dollar und mehr auf dem Grand Circuit. Eine einmalige, aber ebenfalls unbefriedigende Situation.

Jimmy Takter sah Father Patrick als den Besten an, doch einige überraschende Niederlagen brachten die Position des Hengstes ins Wanken. Ausgerechnet im Hambletonian versprang der Hengst seine Chancen am Start. Das Carl Erskine Memorial und das Kentucky Futurity jedoch verlor er ohne wenn und aber gegen E L Titan bzw. Nuncio. Die Niederlage gegen Datsyuk im Tompkins Memorial war fast schon peinlich. Doch Siege im Canadian Trotting Classic (627.440 $), Earl Beal Memorial (500.000 $), Breeders Crown (500.000 $), Zweig Memorial (340.000 $), Stanley Dancer Memorial (317.000 $) und American National (203.000 $) lassen es als sehr wahrscheinlich erscheinen, dass Father Patrick den Titel „Dreijähriger Traber des Jahres“ erringen wird.

Ein Muster an Beständigkeit war ohne Zweifel Nuncio. Erst am Ende einer langen und anstrengenden Rennsaison erzielte der in schwedischem Besitz befindliche Hengst mit dem dritten Platz in der Breeders Crown seine schlechteste Platzierung innerhalb von 24 Monaten. Neben dem Kentucky Futurity (435.000 $) triumphierte Nuncio auch in den hochdotierten Rennen Yonkers Trot (500.000 $) und Matron Stakes (200.350 $).

Das bedeutendste Rennen des Jahres, das Hambletonian (1.006.125 $), sicherte sich Trixton. Auch der Goodtimes Trot (250.332 $) und die Simcoe Stakes (196.268 $) fielen dem Muscle Hill-Sohn zu. Nach nur 11 Saisonstarts war allerdings Schluss. Die Folgen eines Fußknöchelbruchs zwangen Trixton ins Gestüt, wo der Hengst 2015 für 12.000 Dollar Decktaxe zum Einsatz kommt.

Erwähnung verdient ein weiterer Muscle Hill-Sohn, E L Titan, der erst in der zweiten Hälfte der Saison in die Geschehnisse eingriff. Im Canadian Trotting Classic und in der Breeders Crown musste E L Titan die Überlegenheit von Father Patrick akzeptieren, im Carl Erskine Memorial (230.000 $) schlug er den Jahrgangsprimus sogar außen herum.

Shake It Cerry – wer sonst?

Die Saison der dreijährigen Traber Amerikas verlief fast ohne Überraschungen. Allerdings nur fast, denn sowohl das Hambletonian als auch die Hambletonian Oaks wurden nicht von den Favoriten gewonnen, sondern von der zweiten Farbe des Stalles Takter. Insbesondere das enttäuschende Abschneiden von Shake It Cerry in den Hambletonian Oaks (500.000 $) und der Sieg ihrer Stallgefährtin Lifetime Pursuit gab Anlass zu Diskussionen. Mit Siegen in der Breeders Crown (500.000 $), Elegantimage (376.280 $), Kentucky Futurity Filly (224.000 $), Delvin Miller Memorial (213.500 $), Moni Maker (193.000 $), Matron Stakes (160.950 $), Zweig Memorial Filly (150.000 $) und American National (150.000 $) dominierte Shake It Cerry ihren Jahrgang ansonsten nach Belieben.

Erwähnung verdient die Muscles Yankee-Tochter Cee Bee Yes, die in einer Abteilung der Bluegrass Stakes den Weltrekord für dreijährige Stuten auf 1:08,6 verbesserte und in der Breeders Crown den zweiten Platz belegte.

Bis auf Trixton wird die Spitze des amerikanischen Jahrgangs 2011 auch im kommenden Jahr am Start erwartet. Auch Shake It Cerry, die eine Ausnahmekönnerin zu sein scheint und den Vergleich mit den Hengsten nicht zu scheuen braucht.

Die fünf Gewinnreichsten

Father Patrick 3 H 1.693.081 $ 17-12-3-0 v. Cantab Hall
Nuncio 3 H 1.458.071 $ 17-11-5-1 v. Andover Hall
Shake It Cerry 3 S 1.230.411 $ 17-15-0-1 v. Donato Hanover
Trixton 3 H 893.370 $ 11-8-1-1 v. Muscle Hill
Lifetime Pursuit 3 S 795.216 $ 18-8-5-2 v. Cantab Hall

Mission Brief über alles

Im jüngsten auf der Rennbahn befindlichen Jahrgang gab es nur ein Pferd das begeisterte: Mission Brief. Es ist phänomenal, wie ein Traber binnen elf Monaten von Null auf 1:08,7 durchstarten kann! Mission Brief gewann die Breeders Crown (500.000 $) in 1:09,5 und die Merrie Annabelle (352.050 $) in 1:09,9. Ihren phantastischen Rekord von 1:08,7 lief sie am 2. Oktober in den Bluegrass Stakes. Man muss sich vor Augen führen, dass der Weltrekord für einen Zweijährigen des starken Geschlechts bei 1:10,3 liegt. 1,6 Sekunden oder 40 Meter schlechter als der Weltrekord dieser Stute.

Es besteht absolut kein Zweifel, dass Mission Brief die Auszeichnung „Zweijähriger Traber des Jahres“ erhalten wird. Sogar um den Titel „Pferd des Jahres“ ist die Stute nicht chancenlos. Immer wenn sie vom Start sprang, schlug die Stunde der Außenseiter. Smexi v. Explosive Matter gewann die Goldsmith Maid (426.880 $) und Stubborn Belle die Peaceful Way (354.200 $).

Bei den Hengsten rotierte der Führungsanspruch im Verlauf der Saison von Centurion Atm v. SJ’s Caviar (Sieger Peter Haughton Memorial 355.500 $) zu Habitat (Sieger William Wellwood Memorial 358.800 $) zu Pinkman (Sieger Breeders Crown 500.000 $ und Valley Victory 479.320 $). Von Pinkman wollte sein Stall im August nichts mehr wissen, ließ ihn kastrieren und meldete das Pferd für die Harrisburg Auktion. Doch dann besann sich Pinkman eines besseren und gewann gegen Ende der Saison jedes Rennen.

Die fünf Gewinnreichsten

Mission Brief 2 S 591.070 $ 13-9-0-0 v. Muscle Hill
Pinkman 2 W 566.960 $ 8-6-1-0 v. Explosive Matter
Habitat 2 H 534.407 $ 13-7-2-2 v. Conway Hall
Danielle Hall 2 S 483.691 $ 14-7-4-1 v. Deweycheatumnhowe
Stubborn Belle 2 S 475.354 $ 14-5-2-1 v. Taurus Dream

Cantab Hall und Muscle Hill an der Spitze

Den Titel des erfolgreichsten Vaterpferdes der Saison 2014 wird sich wie im Vorjahr der 13jährige Cantab Hall sichern, der zu einer Decktaxe von 20.000 Dollar auf Hanover Shoe Farm in Pennsylvania deckt. Seine Nachkommen gewannen über 9 Millionen Dollar. Die Plätze dahinter werden Kadabra, Donato Hanover und Andover Hall unter sich ausmachen. Die Nachkommen der drei Hengste gewannen bislang um die 6,5 Millionen Dollar.

Dank Father Patrick und Lifetime Pursuit steht Cantab Hall auch dem Dreijährigenjahrgang voran. Donato Hanover und Muscle Hill folgen auf den Plätzen. Erfolgreichster Hengst mit zweijährigen Nachkommen war Muscle Hill, gefolgt von Explosive Matter und Donato Hanover.