Bagley beendet Rennkarriere
vom 23.09.2015

(jg) – Stall ADAMAS zehnjähriger Wallach Bagley hat nach neuerlichen gesundheitlichen Problemen seine Rennlaufbahn beendet. Der Wallach wird nach Deutschland zurückkehren und seinen Lebensabend auf dem Hof seines Züchters Ignatz Bramlage verbringen.

Bagley wurde von Dagmar und Thomas Bosner bereits im Jährlingsalter erworben. Von seinem ein Jahr älteren Bruder Lotis Photo wusste man zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts. Der Hengst von Peter Strooper qualifizierte sich erst als Dreijähriger. Insofern besaßen Dagmar und Thomas Bosner damals den richtigen Riecher oder ein goldenes Händchen.

Eine Breeders Crown zum Beginn der Karriere
Bagleys Rennkarriere begann unter der Aufsicht von Bayerns Ex-Champ Heli Biendl, der, abgesehen von der Qualifikation am 18. August 2007 in Straubing, jedoch niemals ein Rennen mit Bagley bestritten hat. Bagleys Debüt, ein Vorlaufrennen zum Grand Slam der Zweijährigen in Gelsenkirchen, gewann der Hengst in der Hand von Roland Hülskath. Anschließend gab es einen Quartierwechsel zu Arnold Mollema.

2007 war das Jahr, als der deutsche Trabrennsport nach dem Zusammenbruch einen Neustart versuchte. Gehobene Rennen und gut dotierte Prüfungen waren Mangelware. Bagley gewann das ihm Angebotene. Das Grand Slam-Finale und die Breeders Crown. Beide Events auf der Trabrennbahn in München-Daglfing.

Die Vorbereitungen auf das Derby 2008, dessen logischer Vorausfavorit Bagley war, verliefen alles andere als glücklich. Seinen ersten Saisonstart in Wolvega, ein Dreijährigen-Stakesrennen, gewann Bagley imponierend gegen den späteren italienischen Derby-Zweiten Light Kronos. Sein nächster Start in Paris-Vincennes blieb erfolglos. Im Buddenbrock hob das Publikum Bagley nur noch zögernd auf den Favoritenschild. Der Auftritt des Hengstes wusste trotz eines vierten Ranges nicht zufrieden zu stellen. Nach einem enttäuschenden vierten Rang im Derby-Vorlauf wurde die einjährige Zusammenarbeit des Stalles ADAMAS mit Arnold Mollema beendet. Bagley wurde nach Schweden in die Obhut von Joakim Lövgren überstellt. Doch auch bei Lövgren fand Bagley nicht zu alter Form zurück.

Bagley kämpft sich zurück
2009 unterhielten Dagmar und Thomas Bosner in Deutschland einen Privatstall. Zunächst in Mühlen auf dem Gestüt Alwin Schockemöhle, später auf der Columbus Farm in Dülmen. Thomas Holtermann und Annicka Malkuß trainierten und versorgten die Pferde des Stalles ADAMAS. Ihnen gelang es, Bagley wieder in die Spur zu bringen und die über zwei Jahre andauernde Durststrecke zu beenden.

Bei seinem zweiten Auftreten nach langer Formkrise und Krankheit war es wiederum Roland Hülskath vorbehalten, am 27. Mai 2010 in Hamburg mit Bagley in den Siegerzirkel Einzug halten zu dürfen. In den nächsten Monaten zeigte Bagley kontinuierliche Leistungssteigerungen, z.B. im Juli bei seinem vierten Rang im Charlie Mills Memorial und im November bei seinem zweiten Platz hinter Nu Pagadi in der Breeders Crown. Regulärer Fahrer war nun Heinz Wewering, der 14 Tage nach der Breeders Crown sogar ein siegreiches Gastspiel mit Bagley in Jägersro ablieferte.

Mittlerweile galt Bagley unter den daheim gebliebenen in Deutschland als die Nr. 1. Zu Beginn der Saison 2011 brillierte Bagley mit einem 1:11,9 Bahnrekord-Sieg in Hamburg. Bei seinem nächsten Engagement im Bild-Pokal scheiterte der Wallach knapp. Den größten Siegerscheck des Jahres sicherte sich Bagley im Rahmen der Derby-Woche mit einem leichten Erfolg im Charlie Mills-Memorial. Zum Saisonabschluss folgte ein zweiter Rang in der Breeders Crown hinter Überraschungssieger Wee Catch Diamond.

Zum zweiten Mal nach Schweden
Bagley war mittlerweile so gut geworden, dass der Stall 2012 ein weiteres Mal die Option Schweden wählte, wo es für Bagley bessere Start- und Verdienstmöglichkeiten gab. Der Stall ADAMAS besaß damals sowohl bei Stefan Hultman in der Nähe von Stockholm als auch bei Conny Lugauer in Blentarp bei Malmö eine Dependance. Bagley wurde Stefan Hultman unterstellt.

Elf Rennen bestritt Bagley unter der Leitung von Stefan Hultman, gewinnen konnte er nur eines, obwohl der Wallach beständig 11er oder 12er Zeiten trabte. Fünfmal erwischte Bagley einen Startplatz in der zweiten Startreihe, einmal Position acht. Die Rennverläufe meinten es nicht gut mit Bagley, dessen durchschlagender Speed oftmals nicht zur Wirkung gelangte.

Bagley und Conny Lugauer
Am 3. November 2012 gab es anlässlich der Breeders Crown ein Wiedersehen mit Bagley in Deutschland. Zum ersten Mal unter der Regie von Conny Lugauer, in dessen Quartier Bagley nach dem Abzug von Stefan Hultman gelangt war. Im Sulky von Bagley in Gelsenkirchen saß catch-driver Jörgen Sjunesson.

„Bagley lag als klarer Vorausfavorit lange Zeit am Ende des Feldes, was gegen unsere Absprachen mit Jörgen Sjunesson war. Wir wollten dieses Rennen unbedingt gewinnen, so dass ich immer unruhiger wurde und fast schon ausflippen wollte“, verriet uns Dagmar Bosner, die dieses Rennen als das emotional Aufregendste bezeichnet, was sie jemals mit ihren Pferden erlebt hat.

Hierzu muss man wissen, dass Bagley in der Breeders Crown des Vorjahres als 12:10-Favorit ebenfalls lange Zeit im hinteren Teil des Feldes auszumachen war und sein Schlussspurt nur zum zweiten Platz gereicht hatte.

Als Sjunesson Bagley im Einlauf den Kopf frei gab, stand dessen Überlegenheit schnell fest. Viele Beobachter waren sich später darin einig, dass Bagleys Fahrer an diesem Tag eine ganz coole Vorstellung geliefert hatte. In so aufreizendem Stil hat selten ein Favorit eine Breeders Crown gewonnen.

Die Saison 2013
Unter Conny Lugauer begann Bagley aufzublühen. Die Saison 2013 wurde mit Gewinnen von über 234.000 Euro so erfolgreich, dass es für den Stall ADAMAS zum Besitzerchampionat in Deutschland gereicht hätte, wäre Bagley nicht mittlerweile für dauernd nach Schweden ausgeführt worden.

Ende März sicherte sich Bagley mit einem Sieg in Romme die Fahrkarte zum Olympiatravet, in dessen Finale er hinter Maharajah und Sebastian K als Fünfter endete. Es folgte ein vierter Platz im Sweden Cup in 1:09,9. Am 8. Juni 2013 gelang dem Wallach, wozu nur wenige Pferde berufen sind. Mit dem Jämtlands Stora Pris in Östersund sicherte sich Bagley sein erstes Gruppe 1-Rennen der UET-Masters Serie.

Bagley war nun auf seinem Leistungszenit angekommen. Sechs Wochen später unterstrich Bagley seine Top-Verfassung erneut mit einem Sieg in Jägersro. Es folgte ein dritter Platz hinter Commander Crowe und The Best Madrik im Hugo Abergs Memorial und ein zweiter Platz in Vincennes, der die Teilnahme am Masters Finale in Vincennes um 500.000 Euro garantierte.

In der Höhle des Löwen über die Distanz von 2700 Meter schlug sich Bagley bravourös. Sein fünfter Rang in 1:12,2 hinter Ready Cash und Timoko, zeitgleich mit dem Drittplatzierten The Best Madrik, war vielleicht die beste Leistung, die man je von Bagley zu sehen bekommen hat. Anschließend dominierte Bagley im Hamburg Cup, wo der den Bahnrekord von 1:11,6 egalisierte.

Das Jahr 2014 sah Bagley mit gesundheitlichen Problemen kämpfen. Bagleys letzten Karrieresieg durften der Stall ADAMAS und Conny Lugauer am 6. Juni in Kalmar bejubeln. Mit 1:09,9 ist Bagley, gemeinsam mit Banks, der schnellste Wallach der deutschen Traberzucht und mit 1:12,2 über 2700 Meter der schnellste deutsche Traber über die Steherdistanz. Seine Lebensgewinnsumme beläuft sich auf 3.878.716 Schwedenkronen oder 412.307 Euro.

Seinen Lebensabend wird Bagley, wie eingangs erwähnt, mit mehr als 20 anderen Rentnern des Stalles ADAMAS auf der Weide seines Züchters Ignatz Bramlage in Mühlen verbringen dürfen.

Bagleys Pedigree und Familie
Zum Abschluss unseres Berichtes ein Blick auf die züchterische Herkunft Bagleys. Sein Vater Bartali Ok ist ein Lemon Dra-Sohn aus einer Vollschwester zu Speedy Somolli. Züchterisch ein Leckerbissen, zumal Bartali Ok national wie international Spitzenklasse darstellte. In der Zucht vermochte Bartali Ok aber weniger zu überzeugen. Bagley ist mit Abstand sein bester Nachkomme.

Deshalb glauben wir, dass Bagleys Klasse in seinem mütterlichen Pedigree begründet liegt. Seine Mutter Novel Boshoeve, eine Tochter des Championvererbers Cheetah, verfügte selbst zwar nur über nützliches Können, war als Schwester zu den Zuchtrennensiegern Freddy Boshoeve v. Cheetah 1:15,0 – 159.66 Euro, King Boshoeve v. Cheetah 1:11,7 – 132.696 Euro, Royal Boshoeve v. Invit Broline 1:13,1 – 192.837 Euro und Iris Boshoeve 1:15,0 – 48.419 Euro aber hinlänglich für die Zucht empfohlen.

Eingangs erwähnten wir Bagleys ein Jahr älteren Bruder Lotis Photo v. SJ’s Photo 1:12,8 – 174.258 Euro, den Derbysieger des Jahres 2007 und mehrfachen Sieger in Frankreich. Viel Talent und Schnelligkeit haben auch die Bagley Geschwister Britany v. Diamond Way 1:13,0 – 43.489 Euro, Dritte in der Breeders Crown 2012 und 2014, Bennet 1:12,4 v. Bartali Ok und Novels Photo v. SJ’s Photo 3, 1:14,2 bewiesen.

Ihren Ursprung besitzt die mütterliche Familie in der 1923 geborenen Cheerful Volo v. Peter Volo, ein Nachkomme der Familienbegründerin Abbess, geb. 1869. Cheerful Volo begründete eine der erfolgreichsten Stutenstämme unseres Nachbarlandes Holland mit zahlreichen Derby-Siegern.

http://thebloodbank.info/servlet/GetBBData?breed=warm&trotter=bagley