Das Deutsche Traber-Derby in Zahlen
vom 22.07.2015

(jg) – 65 dreijährige Traber - 33 Hengste, 4 Wallache und 28 Stuten - werden sich an diesem Wochenende in Berlin-Mariendorf um die 24 Tickets für die Endläufe im Deutschen Traber-Derby und Arthur Knauer-Rennen bewerben.

Nun gibt eine Teilnahme vorerst nichts anderes wieder als eine gewisse Wertschätzung des Besitzers für sein Pferd. Die Teilnahme am Derby muss heutzutage bei einer Flut von Vorläufen nicht zwangsläufig die erweiterte Zugehörigkeit zur Jahrgangsspitze bedeuten. Schon gar nicht, wenn ein Pferd beispielsweise aus der Qualifikation ohne Rennerfahrung antritt. Zugegeben, das Derby lebt von der Beteiligung aller Aktiven, und es ist wunderbar, dass etwas vom großen Preiskuchen in möglichst vielen Taschen landet, ohne das die Attraktivität des Derbys darunter leidet. Aber etwas Respekt vor einer Traditionsprüfung wie das Derby darf man erwarten.

Zurück zu unserem eigentlichen Thema. Welche Erkenntnisse lassen sich aus der Sicht des Züchters und / oder Besitzers aus der Starterliste zum Deutschen Traber-Derby 2015 ziehen? Nachfolgend der Versuch einer Analyse bloßer Zahlen, die vielleicht auch für den geplanten Züchter-Lunch im Rahmen der Derby-Woche von Interesse sind.

Vaterpferde
Amerikanische Nationalität: 24 Pferde = 37 %
Französische Nationalität: 20 Pferde = 31 %
Deutsche Nationalität: 9 Pferde = 14 %
Italienische Nationalität: 7 Pferde = 11 %
Schwedische Nationalität: 4 Pferde = 6 %
Holländische Nationalität: 1 Pferd = 1 %

Mehr als zwei Drittel aller Derby-Teilnehmer stammen von einem amerikanischen oder französischen Vaterpferd. Viele Züchter haben also Wert auf Qualität gelegt und sind bereit gewesen, zum Teil nicht unerhebliche Deckgelder in Kauf zu nehmen. Der Trend zum französischen Vaterpferd in der deutschen Traberzucht ist in den letzten Jahren unverkennbar. Allerdings nur zum subventionierten Preis der Gefrierbesamung. Über eine Reise mit seiner Stute nach Frankreich denkt hierzulande niemand nach.

Mutterpferde
Deutsche Nationalität: 33 = 51 %
Amerikanische Nationalität: 13 = 20 %
Italienische Nationalität: 8 = 12 %
Holländische Nationalität: 6 = 9 %
Schwedische Nationalität: 3 = 5 %
Französische Nationalität: 1 = 1 %
Österreichische Nationalität: 1 = 1 %

Hier kommt eine Schwäche der deutschen Traberzucht zum Ausdruck. Die Hälfte aller Derby-Teilnehmer besitzt eine deutsch registrierte Mutter, obwohl deutsche Stuten seit Jahren international deutlich an Boden verloren haben. Wenn heute eine deutsche Stute 1:11 oder 1:12 trabt, dann erzeugt dies Schlagzeilen. Im Ausland jedoch traben eine Vielzahl Stuten fast täglich 10er und 11er Zeiten, neuerdings auch darunter. Das Niveau unserer Zuchtstuten ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, international nicht konkurrenzfähig.

Rennleistungen deutsch registrierter Stuten mit Derby-Teilnehmern
Erster bis Dritter im Derby (inkl. Vorläufe): 6 = 18 %
Erster bis Dritter in der Breeders Crown (inkl. Vorläufe): 7 = 21 %
Erster bis Dritter in sonstigen gehobenen Rennen: 6 = 18 %

Eine Ehrenrettung für die deutsche Traberzucht möchten wir dennoch anbieten. Ca. ein Fünftel der Zuchtstuten deutscher Herkunft mit einem Derby-Teilnehmer haben sich ihre Verwendung in der Zucht durch hervorragende Platzierungen in nationalen gehobenen Rennen verdient. Anmerkung: Doppelte Registrierungen in unserer Auswertung waren möglich, wenn eine Stute z.B. sowohl im Derby als auch in der Breeders Crown auf einen der drei vorderen Plätze endete.

Züchter mit Anzahl Pferden
ein Pferd: 32 = 73 %
zwei Pferde: 7 = 16 %
drei Pferde: 3 = 7 %
fünf Pferde: 2 = 5 %

Fast drei Viertel der am Derby beteiligten Züchter haben am Wochenende lediglich ein Zuchtprodukt am Start. Jeder Sechste ist mit zwei Pferden vertreten. Nur ca. 10 Prozent der Züchter besitzen drei oder mehr Pferde in der Teilnehmerliste, die Mehrzahl davon wohnt im Ausland.

Nationalität Züchter
Deutschland: 37 = 57 %
Holland: 22 = 34 %
Frankreich: 3 = 5 %
Österreich: 2 = 3 %
Italien: 1 = 1 %

Dieser Punkt ist von besonderem Interesse. Nur etwas mehr als die Hälfte aller diesjährigen Derby-Teilnehmer stammt aus der Zucht eines in Deutschland ansässigen Züchters. Ein Drittel stammt aus Holland, deren Züchter im HVT mit keiner einzigen Stimme vertreten sind. Der Züchter-Lunch am 31. Juli, ab 14 Uhr auf der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf, bietet die Gelegenheit dazu, dass sich auch holländische Züchter einbringen.

Abschließend stellen wir fest, dass 17 Derby-Teilnehmer bereits vor zwei Jahren in Berlin anwesend waren. Sie standen im Angebot der Derby-Auktion 2013. 10 wurden damals verkauft. Der Teuerste unter ihnen mit einem Gebot von 36.000 Euro war Ferrari Kievitshof, einer der Mitfavoriten auf das Blaue Band 2015. Der Günstigste war Je taime Flamenco für 2.500 Euro, der als Zweijähriger bereits 9.000 Euro auf sein Konto verbuchen konnte. 12 Derby-Teilnehmer (18 %) hingegen befinden sich noch heute im Allein- oder Teilbesitz ihres Züchters.