Deutsche Vaterpferdstatistik Jahrgang 2010
vom 29.01.2015

(jg) – Traber-News.com präsentiert die Vaterpferdstatistik der deutschen Traber des Geburtsjahrgangs 2010. Erfasst wurden sämtliche Starts, Gewinne und Siege der 2010 geborenen deutschen Traber auf deutschen Trabrennbahnen.

Von 599 lt. HVT-Angaben geborenen Pferden des Jahrgangs 2010 sind 339 oder 56,6 Prozent mindestens einmal im Alter von zwei-, drei- oder vier Jahren auf einer deutschen Trabrennbahn am Start gewesen. Die Gesamtzahl der Starts belief sich auf 4.510 oder 13,3 Starts im Durchschnitt pro Pferd.

Der Jahrgang 2010 erzielte in Deutschland 2.417.734 Euro Gewinne. Den Vogel schoss Derbysieger Tiger Woods As mit 170.661 Euro Gewinne ab. Im Durchschnitt gewannen die 339 gestarteten Pferde 536 Euro pro Start auf deutschen Rennbahnen. Ein Vergleich mit den von uns auf gleicher Grundlage untersuchten Jahrgängen 2006 bis 2009 ergibt folgendes Ergebnis:

Jahrgang Fohlen Starter Starts Siege
2010 599 – 56,6 % 339 4.510 640
2009 624 – 57,7 % 360 4.224 651
2008 630 – 45,2 % 285 3.822 557
2007 687 – 42,2 % 290 3.591 521
2006 878 – 41,5 % 364 4.380 679
Gesamt   1.638 20.527 3.048
Jahrgang Gewinne total Höchstgewinn Gewinne pro Start
2010 2.417.734 Euro 170.661 Euro 536 Euro
2009 2.168.468 Euro 165.077 Euro 513 Euro
2008 1.727.204 Euro 149.367 Euro 452 Euro
2007 1.881.627 Euro 128.269 Euro 524 Euro
2006 2.084.893 Euro 158.330 Euro 476 Euro
Gesamt 10.279.926 Euro   501 Euro

Das sind die nüchternen Zahlen. Zweifel sind leider angebracht, worauf wir am Ende unserer Ausführungen noch zurückkommen werden.

Wenn wir eine Interpretation wagen, stellen wir fest, dass die stark rezessiven Zahlen der Jahrgänge 2007 und 2008 vorerst überwunden sind. Sowohl der Prozentsatz der in Deutschland gestarteten jungen Pferde als auch deren Gewinne deuten wieder in eine positive Richtung. Dies ist einer Rennpreispolitik geschuldet, die jungen Pferden zuletzt bessere Verdienstmöglichkeiten geboten hat. Dieser Weg muss fortgesetzt werden. Er ist konsequent auszubauen, will man die Grundlagen einer deutschen Traberzucht nicht aufs Spiel setzen.

Immer wieder Love You
Zum dritten Mal in Folge haben die Nachkommen von Love You das meiste Geld gewonnen. 462.177 Euro gewann sein 2010 geborener Jahrgang im Alter von zwei bis vier Jahren in Deutschland. Sein Spitzenverdiener war die Breeders Crown- und Stuten-Derby-Siegerin Fräulein Wunder, die pro Start das sieben einhalbfache des durchschnittlichen Gewinns im Jahrgang erzielte.

Der Shooting Star unter den jungen Hengsten heißt hingegen Quick Wood, ein Love You-Sohn mit allerdings nur fünf gestarteten Nachkommen. Aus seinem ersten Jahrgang ragen der Derby-Sieger Tiger Woods As und die Buddenbrock Stutenrennen-Siegerin Mustang’s Sally heraus.

Etwas aussagekräftiger sind die Zahlen der inländischen Vaterpferde Oscar Schindler Sl und Pablo As. Neun Nachkommen von Oscar Schindler Sl absolvierten 153 Starts und gewannen im Schnitt pro Start fast das Doppelte des durchschnittlichen Gewinns aller gestarteten Pferde des Jahrgangs. Sein Bester war St. Leger- und Breeders Crown Sieger Shoemaker.

Pablo As überzeugt durch die Ausgeglichenheit seines Jahrgangs. 15 Nachkommen starteten in 280 Rennen und gewannen 164.003 Euro. Keiner seiner Nachkommen gewann etwas Großes, aber seine Töchter Fairness, Dear Butcher oder Inari gelangen eine Reihe besserer Platzierungen in der Serie der gehobenen Rennen.

Die italienische Zucht stark
Von 20 gehobenen Rennen für den Jahrgang 2010 waren 13 ausschließlich Inländern vorbehalten. Von den restlichen sieben fielen vier an Pferde der italienischen Zucht. Zweimal gewann Rapido Ok (Jugend Preis und Preis des Winterfavoriten), je einmal Robert Bi (Bayern-Pokal) und Riff Kronos (Großer Preis von Deutschland). Unter den inländischen Siegern waren Tiger Woods As (drei Siege) und die Doppelsieger Fridericus, Shoemaker und Stanislawski am erfolgreichsten.

Viele Hengste – wenige Nachkommen
Bemerkenswert ist die immense Anzahl an Vaterpferde mit gestarteten Nachkommen (286 Hengste). Nur wenige Hengste kommen auf eine Produktion, die eine zuverlässige Zuchtbeurteilung zulassen. Die Fünfjahreswertung der Vaterpferde mit den Jahrgängen 2006 bis 2010 sieht Dream Vacation am erfolgreichsten. Der Hengst kommt mit fünf Jahrgängen auf nur 10 in Deutschland gestartete Produkte, die im Schnitt fast das vierfache des durchschnittlichen Gewinns pro Start aller Vaterpferde erlangten. Herausragend natürlich sein Derby-Sieger Dream Magic BE.

Auf den Plätzen folgen Allison Hollow, Ganymede, Jag de Bellouet und Conway Hall. Erst dann erscheint Love You, der aber die mit Abstand meisten Starter, Starts und Gewinne ausweist, was natürlich einen hohen Aussagewert besitzt.

Zum Abschluss noch einige Anmerkungen zu Auffälligkeiten während unserer Recherche. Wir haben festgestellt, dass die Leistungsdaten der ausgeschiedenen Pferde des Jahrgangs 2010 mit sofortiger Wirkung gelöscht worden sind. Das ist neu. Das war vor zwölf Monaten noch nicht so. Wer hat dazu Anweisung gegeben?

Wir fragen uns unwillkürlich, wie will der HVT seiner staatlichen Aufgabe der Erstellung einer Zuchtwertschätzung nachkommen, wenn die Leistungsdaten der jungen deutschen Pferde (unter vier Jahre) gelöscht werden? Ohne die Daten privater Webseiten, deren Existenz das HVT-Präsidium überdies noch mit Argwohn beobachtet, wäre der interessierte Züchter schon längst verloren. Zuchtwertschätzungen sind übrigens seit Jahrzehnten nicht mehr veröffentlicht worden, obwohl seit vielen Jahren immer wieder auf Mitgliederversammlungen angekündigt.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die unterschiedlichen Bestandsangaben. Angaben über Fohlengeburten z.B. ändern sich noch nach Jahren. So mussten wir unsere Zahlen über die Geburtenjahrgänge 2006 bis 2009 erneut korrigieren, da jüngste HVT-Zahlen unterschiedliche Angaben gegenüber früheren Bekanntmachungen aufweisen. Ein Beispiel, damit unsere Leser wissen worum es geht.

Mitgliederversammlung 2013
Geborene Fohlen 2006: 743
Geborene Fohlen 2007: 639
Geborene Fohlen 2008: 566
Geborene Fohlen 2009: 611
Geborene Fohlen 2010: 599

Mitgliederversammlung 2014
Geborene Fohlen 2006: 878 (+ 135)
Geborene Fohlen 2007: 687 (+ 48)
Geborene Fohlen 2008: 630 (+ 64)
Geborene Fohlen 2009: 624 (+ 13)
Geborene Fohlen 2010: 599

Traber-News.com bemängelt seit längerer Zeit, dass keine umfassenden Listen der Geburtenjahrgänge veröffentlicht werden. Das gibt Anlass zu Spekulationen. Was sagt der verantwortliche (nicht anwesende) Zuchtleiter hierzu? Oder trägt der Präsident und Geschäftsführer auch hierfür die Verantwortung?

Jahrgang 2010

Jahrgang 2010 einzel

Jahrgang 2006-2010