Zur aktuellen Lage der deutschen Traberzucht
vom 28.02.2017

(jg) – In unserem letzten Newsletter gaben wir Beispiele zur Förderung der Traberzucht in Deutschland. Ergänzend hierzu einige statistische Angaben über die Struktur der hiesigen Zucht.

Der Trend der Fohlenregistrierungen in Deutschland ist negativ. Darüber berichteten wir, und dieser Fakt ist durch allgemein zugängliche Informationen des Zuchtverbandes belegt. Um nähere Erkenntnisse hierüber zu gewinnen,  haben wir uns die Traber-Jahrgänge 2014, 2015 und 2016 genauer angeschaut.

1) Eingetragene Fohlen

Jahrgang Fohlen Trend Hengste Stuten
geb. 2016 433 - 1 % 228 205
geb. 2015 437 - 7 % 230 207
geb. 2014 468   223 245

Wer züchtet den Traber deutscher Rasse? Zur Beantwortung dieser Frage haben wir den Wohnsitz der eingetragenen Züchter ermittelt und in Züchter mit ständigem oder überwiegendem Wohnsitz in Deutschland, Züchter aus Holland und Züchter des übrigem EU-Raums, vornehmlich Frankreich, unterschieden. Die folgende Tabelle ordnet die Anzahl der eingetragenen Fohlen den jeweiligen Züchtern zu.

2) Eingetragene Fohlen und Wohnsitz der Züchter

Jahrgang DE NL übrige EU Gesamt
geb. 2016 284 (66 %) 132 (30 %) 17 (4 %) 433
geb. 2015 294 (67 %) 119 (27 %) 24 (6 %) 437
geb. 2014 313 (67 %) 128 (27 %) 27 (6 %) 468

Ungefähr ein Drittel aller in Deutschland registrierter Traberfohlen der Jahrgänge 2014 bis 2016 sind von ausländischen Traberzüchtern gezüchtet. Obwohl die Anzahl der Fohlen niederländischer Züchter in den vergangenen drei Jahre in etwa konstant geblieben ist, stieg ihr Anteil prozentual. Deutsche Züchter hingegen züchteten im obigen Zeitraum weniger Fohlen oder haben sich anderen Zuchtverbänden angeschlossen. Insbesondere der schwedische Trabrennsport hat in den vergangenen Jahren Zulauf aus Deutschland erhalten. Tendenziell abnehmend ist auch die Anzahl Fohlen von Züchtern aus anderen EU-Ländern, hier insbesondere die Anzahl französischer Züchter.

3) Jahrgang 2016

Eine gesonderte Untersuchung des Jahrgangs 2016 zeigt, dass 433 Fohlen von insgesamt 275 Züchtern oder Züchtergemeinschaften gezüchtet wurden. Züchtende Ehepartner und ihre Kinder haben wir als eine Gruppe erfasst. Somit sind jedem aktiven Züchter ca. 1,6 Fohlen zuzurechnen.

DE NL übrige EU Gesamt
203 (74 %) 61 (22 %) 11 (4 %) 275

Deutsche Züchter befinden sich in obiger Auflistung mit 74 Prozent klar im Vorteil, während der Anteil holländischer Züchter 22 Prozent beträgt. Mit anderen Worten, der Anteil von 22 Prozent holländischer Züchter sorgte für 30 Prozent der Fohlen des Jahrgangs 2016 in Deutschland.

Es war zu erwarten, dass die Gruppe der deutschen Traberzüchter deutlich in der Überzahl ist. Aber sie beteiligen sich lediglich dezent. Die in Deutschland engagierten holländischen Züchter hingegen sind jeder für sich sowohl qualitativ als auch quantitativ stark vertreten. Ohne sie stünde der deutsche Trabersport wesentlich schlechter dar. Nur fünf Derby-Sieger in der über 100jährigen Geschichte des deutschen Trabrennsports sind bislang von holländischen Züchtern gezüchtet worden. Drei davon – Muscle Scott, Ferrari Kievitshof und Expo Express – in den Jahren 2014, 2015 und 2016.

Ein durchaus ernst gemeinter Vorschlag unsererseits wäre, den Traber europäischer Rasse zu definieren, der z.B. deutsche, holländische, österreichische und eventuell weitere Interessenten unter ein Dach vereinigen könnte. So würde ein neuer, gestärkter Verband entstehen, von dem deutlich mehr Impulse ausgehen könnten als jetzt.

4) Wann sind die Fohlen geboren?

Diese Statistik bringt eine wesentliche Erkenntnis: Die Vorbereitung auf die Decksaison verläuft bei vielen Traberzüchtern nicht ausreichend professionell. Das machen wir an den überwiegend späten Fohlengeburten fest. Aus einer früheren Tätigkeit des Chronisten für ein großes deutsches Trabergestüt sprechen wir aus eigener Erfahrung. Viele Züchter machen sich oft erst im April und Mai Gedanken, ob und mit welchem Hengst sie zu decken gedenken.

Monat geb. 2016 geb. 2015 geb. 2014
Januar 9 (2 %) 11 (3 %) 4 (1 %)
Februar 18 (4 %) 14 (3 %) 18 (4 %)
März 74 (17 %) 73 (17 %) 75 (16 %)
April 141 (33 %) 124 (28 %) 169 (36 %)
Mai 146 (34 %) 163 (37 %) 162 (34 %)
Juni 40 (9 %) 43 (10 %) 37 (8 %)
Juli 5 (1 %) 7 (2 %) 3 (1 %)
August - 2 -
Gesamt 433 437 468

Vielleicht erinnern sich unsere Leser an die Geburtsdaten der Nachkommen von Bold Eagle und Ready Cash in unserem Bericht über diese beiden Hengste. 60 Prozent der Nachkommen dieser Hengste wurden im März und April geboren. In Deutschland hingegen ist der Mai der Monat mit den meisten Fohlengeburten. Das bedeutet, die Decktätigkeiten mit diesen Stuten fanden erst im Juni des Vorjahres ihren Abschluss.

10 Prozent aller Fohlengeburten entfallen sogar auf den Juni, Juli oder später. Diese Stuten kommen für eine sofortige Wiederbedeckung höchst wahrschenlich nicht infrage. Ein spätes Fohlen besitzt nicht nur auf dem Jährlingsmarkt ein Handicap, für den Züchter ist eine güste Stute immer eine verlustbringende Angelegenheit. Die Traberzüchter sollten sich bemühen, ihre Deckvorbereitungen früher zu planen und zu beginnen.

5) Mehr Vaterpferde – weniger Fohlen

Diese Erkenntnis ist bemerkenswert. Obwohl die Anzahl der Fohlengeburten in den letzten Jahren rückläufig war, hat sich die Anzahl der in Anspruch genommenen Hengste erhöht. Der Jahrgang 2014 mit 468 Fohlen weist 117 verschiedene Vaterpferde auf. Der Jahrgang 2016 mit 433 Fohlen stammt von 131 Vaterpferden. Während die Vaterpferde des Jahrgangs 2014 im Durchschnitt für vier Nachkommen Verantwortung tragen, betrug die durchschnittliche Anzahl Nachkommen der Vaterpferde des Jahrgangs 2016 gerade noch 3,3 Pferde. Ob das gut oder schlecht ist, hängt wohl eher von der Qualität der in Anspruch genommenen Hengste ab.

Jahrgang Fohlen Vaterpferde Durchschnitt
geb. 2016 433 131 3,3
geb. 2015 437 124 3,5
geb. 2014 468 117 4,0

6) Anzahl Nachkommen pro Vaterpferd

72 Prozent der Väter des Jahrgangs 2016 weisen weniger als vier Nachkommen auf. Kein Hengst besitzt mehr als 20 Nachkommen im Jahrgang. Die Tendenz geht dahin, dass Hengste zunehmend weniger als sieben Nachkommen pro Jahr zeugen.

In den vergangenen drei Jahren lag die maximale Population eines Hengstes bei 27 Nachkommen. In den vergangenen zwei Jahren erreichte kein Hengst mehr als 17 Fohlen pro Saison. Das zeigt deutlich, dass die Hengsthaltung in Deutschland nicht lohnt.

Nachkommen geb. 2016 geb. 2015 geb. 2014
1 54 (41 %) 54 (44 %) 39 (33 %)
2 22 (17 %) 18 (15 %) 29 (25 %)
3 19 (14 %) 9 (7 %) 10 (9 %)
4 – 6 18 (14 %) 24 (19 %) 15 (13 %)
7 – 10 11 (8 %) 10 (8 %) 16 (14 %)
11 – 15 5 (4 %) 6 (5 %) 5 (4 %)
16 – 20 2 (2 %) 3 (2 %) -
21 + - - 3 (2 %)
Gesamt 131 124 117

Amerikanische Hengste besitzen einen konstanten Marktabteil von ca. 30 Prozent, französische Hengste erreichen ca. 20 Prozent. Rückläufig ist die Verwendung deutscher Hengste in der deutschen Traberzucht.

Das zu Recht, denn das Niveau unserer besten Zuchthengste fällt immer weiter hinter den Standard amerikanischer, französischer, schwedischer und italienischer Spitzenhengste zurück. Der (noch) relativ hohe Prozentsatz deutscher Vaterpferde profitiert von einer Vielzahl Züchter, die meinen, mit dem eigenen Hengst günstiger zu züchten. Ob diese Rechnung aufgeht, wagen wir zu bezweifeln.

Die zur Verfügung stehenden ausländischen Spitzenvererber sind oftmals das Beste, was die internationale Traberzucht zu bieten hat. Die Züchter müssen also hohe Investitionen aufbringen, um konkurrenzfähig zu sein. Zum Glück werden diese Investitionen auf dem deutschen Jährlingsmarkt (noch) honoriert. Doch das reicht nicht aus, falls die Züchterprämien ausbleiben.

7) Nationalität Vaterpferde

Nation geb. 2016 geb. 2015 geb. 2014
US 38 (29 %) 33 (27 %) 35 (30 %)
DE 30 (23 %) 39 (31 %) 38 (32 %)
FR 28 (21 %) 25 (20 %) 24 (21 %)
IT 13 (10 %) 12 (10 %) 8 (7 %)
SE 13 (10 %) 8 (6 %) 9 (8 %)
NL 7 (5 %) 5 (4 %) 3 (2 %)
FI 1 (1 %) 1 (1 %) -
DK 1 (1 %) - -
AT - - 1 (1 %)
Gesamt 131 124 117

Die hier von Traber-News.com mühevoll gesammelten Daten der Zuchtpopulation konnte man früher problemlos aus den Jahresstatistiken des Zuchtverbandes erfahren. Heute nicht mehr. Es gibt nämlich keine (öffentliche) züchterische Aufarbeitung mehr. Oder will man sie schamhaft verbergen?