Endlich Orlando Jet
vom 29.09.2016

(jg) – Der Breeders Crown-Sieg des dreijährigen Orlando Jet am vergangenen Wochenende in Berlin hat die Meinung derjenigen gestärkt, die in dem schmucken Hengst den Primus im Jahrgang vermuten.

Gezüchtet ist Orlando Jet von Peter Busch, Hamburg, und verkauft wurde der stattliche Hengst auf der Derby-Jährlingsauktion 2014 zum Spottpreis von 7.500 Euro an das Team Neuhof aus Österreich. Übrigens, auch der Zweitplatzierte der Breeders Crown, Muscle Boy As, befindet sich im Besitz eines österreichischen Rennstalles, was die zunehmende Bedeutung unseres südlichen Nachbarlandes in Bezug auf den Trabrennsport in Deutschland unter Beweis stellt.

Vater: Orlando Vici
Über Orlando Jets Vater Orlando Vici hat sich Traber-News.com bereits in einem Beitrag vom 6.7. unter dem Titel „Gelingt Orlando Vici der Turnaround?“ ausgelassen. Orlando Vici repräsentiert in Frankreich die Hengstlinie des Amerikaners The Great McKinney. Sein prominentester Nachkomme ist Un Mec d’Heripre.

Wir schrieben auch, dass Orlando Vicis Popularität außerhalb Frankreichs bislang größer gewesen ist als im eigenen Land. Der aktuelle Erfolg von Orlando Jet in Deutschland und der jüngste Sieg von Shocking Superman im Norskt Travkriterium bestätigen diese Annahme. Wen es interessiert, empfehlen wir die nochmalige Lektüre unseres Artikels hier:

http://www.traber-news.com/article-14/items/gelingt-orlando-vici-der-turnaround.html

Mutter: Chicolina
Die 2004 geborene und von Christiane Struckmeier gezogene Chicolina v. Super Arnie begann ihre Rennkarriere 2008 unter der Obhut von Jörg Schefe. Lediglich 1.300 Euro Renngewinne und ein Rekord von 1:20,7 im Alter von fünf Jahren lassen die Stute auf den ersten Blick nicht sonderlich für die Zucht geeignet erscheinen.

Schaut man jedoch näher hin, gelangt man zu einem anderen Urteil. Ihre beiden einzigen Auftritte im Juni 2009 in Hamburg hatte Chicolina für Besitzer Carlheinz Schäfer zu zwei überlegenen Siegen gestaltet, bevor eine Sehnenverletzung ihrer Rennkarriere ein Ende setzte.

Dem erfahrenen Auge von Richard Busch, Vater von Züchter Peter Busch, war das offensichtliche Talent von Chicolina derweil nicht entgangen. „Die Stute hat mir von Anfang an gefallen“, berichtete Richard Busch gegenüber Traber-News.com. „Sie besaß ein schönes Geläuf und ist, anders als ihre Geschwister, eine großrahmige Stute. Trotz eines Trainingsunfalls, wo sie eine Sehnenverletzung erlitten hat, gewann sie zwei Rennen mit spielerischer Leichtigkeit. Dann ging es gesundheitlich offensichtlich nicht mehr weiter. Als mir die Stute angeboten wurde, zögerte ich keinen Moment,“ erinnert sich der Züchter.

Chicolina ist der dritte Nachkomme der dänischen Jahrgangs-Spitzenstute Woman New, die in den späten 90er Jahren auch in Deutschland Spitzenleistungen zeigte. 1996 gewann Woman New in der Hand von Jörg Schefe für den Hamburger Börsenmakler Michael Hutzler das dänische Stuten-Derby. Im selben Jahr war sie Vierte im Hamburger Stuten-Preis. Als Michael Hutzler aus dem Trabrennsport ausstieg, gelangte Woman New für viel Geld in die Hände von Familie Struckmeier. 1998 siegte sie für neue Farben im Bruno Cassirer-Rennen. In der Championship von Bahrenfeld belegte die Stute den fünften Rang.

Woman New ist für Jörg Schefe damals ein Glücksgriff gewesen. Bereits 1995, gegen Ende ihrer Dreijährigenkarriere, gelangte die Stute in die Obhut Schefes, der mit ihr seine ersten großen Erfolge feierte.

Woman New stammt von New Quick, den dänischen Derby-Sieger des Jahres 1990 und Vaterpferdchampion der Jahre 2001 und 2002. Seine Eltern Quick Pay und Dilli Hanover zählten zur Creme de la Creme der skandinavischen Traberzucht.

Woman News Mutterlinie genießt insbesondere in Dänemark hohes Ansehen. Ausgangspunkt ist die 1947 geborene Emma Signal Girl, die 1954 tragend nach Diplomat Hanover und mit Fohlen bei Fuß von Victory Song nach Dänemark kam. Ihr erster Nachkomme in Dänemark war der 1954 geborene Deckhengst Captain Frost 1:19,9 v. Victory Song, ihr zweiter Nachkomme der 1955 geborene Aconto 1:20,4 v. Diplomat Hanover. Beide Pferde belegten im Dänischen Traber-Derby der Jahre 1958 bzw. 1959 den zweiten Platz.

Den erfolgreichsten Zweig der Töchter der Emma Signal Girl führt die 1957 geborene Cowgirl v. Janitschar an. Ihre 1965 geborene Tochter Libretto v. Newport Orbit ist Großmutter der 1982 im dänischen Traber-Derby siegreichen Early Dirt v. Pay Dirt. Ein Enkel der Early Dirt ist Always New 1:12,5 v. New Quick, Sieger im Gran Premio della Repubblica und Zweiter im Prix d’Ete in Vincennes. Zwei weitere prominente Ur-Enkel sind der dänische Derby-Sieger von 2005, I’m A Photo 1:14,1 v. SJ’s Photo, und der Schweden Cup-Sieger Local Conch 1:10,0 v. King Conch. Letzterer war lange Zeit der schnellste in Dänemark gezogene Traber.

Allein an Hand dieser komprimierten Auflistung sehen wir, dass des Züchters Vertrauen in Chicolina gerechtfertig war. Ihr erstes Produkt Orlando Jet hat schon jetzt alle Erwartungen übertroffen. Wünschen wir Orlando Jet, dem Team und seinem Trainer Rudi Haller vor allem Gesundheit, um im kommenden Jahr die deutsche Traberzucht international ehrenvoll vertreten zu können.

Pedigree Orlando Jet:

http://thebloodbank.info/servlet/GetBBData?dam=1968715&breed=warm&sire=orlando+vici