Französische Vaterpferde in der deutschen Traberzucht
vom 31.08.2017

(jg) – In jenen Tagen, als Pferdezucht noch mittels natürlichen Deckakts stattfand, gab es viele Traber-Zuchtstätten in Deutschland mit einem eigenen Deckhengst.

Die Zeiten haben sich geändert. Die Gefrier- und Frischbesamung hat mittlerweile auf fast allen Deckstationen Einzug gehalten. Den Hengst auf eigener Scholle gibt es nur noch selten. In der deutschen Traberzucht kaum noch. Niemand käme heutzutage auf die Idee, für eine kleine Zuchtpopulation wie in Deutschland einen teuren Hengst einzuführen.

Traber-News.com hat sich die Mühe gemacht und sämtliche Hengste der französischen Traberzucht erfasst, die jemals in Deutschland aufgestellt waren und Nachkommen erzeugt haben. Es sind unserer Recherche nach 172 Vaterpferde mit bislang 8.053 Nachkommen.

Darunter waren wirklich gute Hengste. Europäische Spitzentraber wie Hairos II, Oscar RL, Vat, Iskander F, Ivacourt oder Io d’Amour. Pferde, deren Namen heutzutage zwar kaum noch jemand kennt, die aber in Vincennes, Schweden oder Italien europäische Top-Rennen gewannen und schon vor 50 Jahren ein Vielfaches an Geld auf ihrem Konto besaßen als die gängigen Franzosen-Traber heutzutage in Deutschland.

Die Top-Ten der gewinnreichsten französischen Vaterpferde in der deutschen Traberzucht:

Hengst Rek. Gewinne geb. Vater - Mutter
Ideal du Gazeau 13,2 1.673.518 Euro 1974 Alexis III – Venise du Gazeau
Vat 18,2 368.386 Euro 1965 Mario - Gnat II
Oscar RL 16,4 337.392 Euro 1958 Dubonnet - Darling RL
Hairos II 15,8 328.135 Euro 1951 Kairos – Salambo II
Bailly II 16,7 278.930 Euro 1967 Orphee - Orchidee VI
Akarad Boy 12,9 273.803 Euro 1988 Ianthin - Orelie Girl
Averic 15,7 256.479 Euro 1988 Neric Barbes – Orphie d'Anson
Baladeur II 16,3 255.667 Euro 1967 Jour de Veine - Serpolette D
Mont de Maine 13,9 247.175 Euro 1978 Borgia III - Ficelle
Hetre Vif 16,1 244.039 Euro 1973 Son Idylle P - Uriage II

Ideal du Gazeau kam erst gegen Ende seiner Deckkarriere nach Deutschland. Der Hengst galt als bester Traber der Welt, war aber mit einem eigenartigen Geläuf ausgestattet. Hairos II befand sich in holländischem Besitz. Der Hengst gewann 1960 den Prix d’Amerique in Paris und den International Trot in New York. Oscar RL endete im Prix d’Amerique dreimal auf den Plätzen zwei und drei. Das waren internationale Spitzentraber der allerersten Kategorie.

Vat war einer der Besten seines Jahrgangs in Frankreich. Der Hengst war Zweiter sowohl im Criterium des 3 ans als auch im Criterium des 4 ans und Dritter im Criterium des 5 ans. Mont de Maine gewann 1987 das Gelsenkirchener Elite-Rennen.

Französisch gezogene Vaterpferde, die heutzutage in Deutschland zum Zuchteinsatz gelangen, besitzen als Empfehlung z.B. eine Rennkarriere bestehend aus 46 Starts und 1.555 Euro (Spencer Nelliere) oder 3.957 Euro Gewinne (Only Charm). Gäbe es Körungen, wären sie nie und nimmer zur Zucht zugelassen worden.

Die Rennklasse eines Hengstes ist die eine Sache, eine andere ist seine Vererbungskraft. Allgemein stellen wir fest, dass französische Hengste in der deutschen Traberzucht deutlich schlechtere Zuchterfolge aufweisen als amerikanische oder deutsche Vaterpferde. Nie errang ein in Deutschland stationierter französischer Hengst das deutsche Vaterpferd-Championat. Lediglich Fifi beau Gosse gelang 1967 und 1971 zweimal das Vize-Championat.

Trotzdem waren in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg französische Vaterpferde in der deutschen Traberzucht populär. Sie waren viel beschäftigt. Die Liste der am meisten beanspruchten in Deutschland stationierten französischen Hengste hat folgendes Aussehen:

Hengst geb. Vater – Mutter (1) (2)
Morai 1956 Eboue Wilkes - Et Elle 1966-1981 487
Lieuvin 1955 Uriel - Eprunes 1963-1981 351
Allo Mannetot 1966 Paleo - Calonne 1974-1990 329
Fifi beau Gosse 1949 Petit Jean III - Ultra Chouette 1961-1972 290
Ballon Rouge 1967 Kratius - Star Gold 1978-1990 224
Gentleman IV 1950 Simoun M - Scio M 1958-1966 215
Itou Lui 1952 Kairos - R.Elle 1961-1975 191
Iskander F 1952 Urzy - Mon Espoir II 1963-1971 186
Mopsus 1956 Atus II - Creuse 1968-1983 160
Asterabad 1966 Hyderabad - Issoire VL 1974-1983 148

(1) = Erster und letzter eingetragener Jahrgang
(2) = Anzahl Nachkommen in Deutschland

Ein wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Zuchtleistung eines Hengstes ist die Anzahl der Zuchtrennensieger, die ein Hengst oder seine Töchter hervorgebracht haben. Am erfolgreichsten unter den in Frankreich geborenen Hengsten war Lieuvin mit sechs Zuchtrennensieger und 11 Zuchtrennensieger als Stutenvater (insgesamt 17). Fifi beau Gosse ist Vater von 13 Zuchtrennensieger, seine Töchter haben jedoch nur drei Zuchtrennensieger produziert (insgesamt 16).

Die Rangfolge der erfolgreichsten in Deutschland stationierten französischen Vaterpferde:

Hengst geb. Vater – Mutter (1) (2)
Lieuvin 1955 Uriel - Eprunes 6 11
Fifi beau Gosse 1949 Petit Jean III - Ultra Chouette 13 3
Itou Lui 1952 Kairos - R.Elle 9 4
Gentleman IV 1950 Simoun M - Scio M 6 6
Ballon Rouge 1967 Kratius - Star Gold 4 6
Iskander F 1952 Urzy - Mon Espoir II 5 5
Io d’Amour 1952 Coquin d’Amour - Bagatelle D 8 1
Morai 1956 Eboue Wilkes - Et Elle 4 5
Allo Mannetot 1966 Paleo - Calonne 3 5
Hairos II 1951 Kairos - Salambo II 3 5
Issy les Moulineaux 1908 Azur - Algerienne 2 6

(1) = Anzahl Zuchtrennensieger
(2) = Anzahl Zuchtrennensieger als Stutenvater

Eine spannende Frage ist, welcher Hengst war im Verhältnis zur Anzahl seiner Nachkommen der erfolgreichste Vererber? Um Chancengleichheit herzustellen, haben wir in drei Kategorien unterschieden. In der ersten Gruppe befinden sich Hengste mit bis zu 30 Nachkommen (insgesamt 91 Hengste), die zweite Gruppe prüft Hengste mit bis zu 100 Nachkommen (61 Hengste) und die dritte Gruppe erfasst Hengste mit mehr als 100 Nachkommen (20 Hengste).

Mit nur fünf Nachkommen, darunter vier Zuchtrennensieger, besitzt der 1962 geborene Kelfren eine fast perfekte Bilanz und führt damit die All-Time-Tabelle aller französischen Vaterpferde in Deutschland an. Seine prozentuale Quote Nachkommen ./. Zuchtrennensieger beträgt sagenhafte 1,3!

Hengst geb. Vater – Mutter (1) (2) (3) (4) (5)
Kelfren 1954 Quiroga II - Sada Williams 1962 5 4 - 1,3
Niha 1957 Teucer - Eglonne Volo 1966-1967 5 1 - 5,0
Foudji Volo 1949 Oliav Volo - Glatigny 1960-1964 25 3 - 8,3

(1) = Erster und letzter eingetragener Jahrgang
(2) = Anzahl Nachkommen in Deutschland
(3) = Anzahl Zuchtrennensieger
(4) = Anzahl Zuchtrennensieger als Stutenvater
(5) = Quotient Nachkommen ./. Zuchtrennensieger und Zuchtrennensieger als Stutenvater

Wir möchten Kelfren kurz vorzustellen. Der Hengst wurde 1960 von Christine Sickendiek eingeführt und bestritt in Deutschland nur drei Rennen. Er siegte einmal und belegte zwei Plätze. In der Zucht war Kelfren nur eine Saison tätig und deckte ausschließlich Stuten des Vördener Fabrikanten Friedrich Sickendiek. Seine fünf Nachkommen sind:

Sebald 1:16,9 – 110.874 Euro a.d. Seebacherin, Züchter Friedrich Sickendiek
Kelfrens Erster 1:19,9 – 37.145 Euro a.d. Isaria, Züchter Friedrich Sickendiek
Hebros 1:19,8 – 33.464 Euro a.d. Hewi, Züchter Friedrich Sickendiek
Trixifren 1:21,2 – 14.469 Euro a.d. Trixi Silk, Züchter Friedrich Sickendiek
Kelino 1:25,9 – 3.026 Euro a.d. Südsee, Züchter Friedrich Sickendiek

Sebald gewann die Zuchtrennen Recklinghäuser Vergleichspreis der Drei-, Vier- und Fünfjährigen 1965, Championat der Fünfjährigen 1967 und Europa-Championat 1967.
Kelfrens Erster gewann die Zuchtrennen Präsidenten-Preis 1964 und Rheinland Pokal 1965.
Hebros gewann das Zuchtrennen Arthur Brümmer-Gedächtnisrennen 1966.
Trixifren gewann das Zuchtrennen Robert Großmann-Erinnerungsrennen 1966.

Die Gruppe der Hengste mit bis zu 100 Nachkommen wird vom Elitloppet-Sieger Io d’Amour angeführt. Der Hengst kam 1957 durch Wilhelm Geldbach (Stall Kurier) nach Deutschland. Io d’Amour hinterließ nur 47 Nachkommen, von denen acht Zuchtrennenlorbeer errangen. Seine Tochter Wallburg brachte die Zuchtrennensiegerin Königskrone, die wiederum Mutter von Diamond Way wurde.

Hengst geb. Vater – Mutter (1) (2) (3) (4) (5)
Io d’Amour 1952 Coquin d’Amour - Bagatelle D 1962-1964 47 8 1 5,2
Adonis II 1944 Kriss - Phtah 1954-1962 43 5 2 6,1
Messidor 1934 Gael - Tradition 1944-1950 43 5 1 7,2
Iris de Beaupre 1952 Kairos - Krichna II 1962-1964 55 3 3 9,2
Issy les Moulineaux 1908 Azur - Algerienne 1915-1928 79 2 6 9,9

Erfolgreichster französischer Vererber in der deutschen Traberzucht mit mehr als 100 Nachkommen ist Itou Lui. Der Hengst wurde 1960 von Rudolf Gurny und Rolf Schürholz eingeführt. Seine Mutter R.Elle siegte 1944 im Criterium des 5 ans. Neun Zuchtrennensieger zeugte Itou Lui und viermal steht der Hengst als Muttervater eines Zuchtrennensiegers verzeichnet. Die Itou Lui-Tochter Negri brachte Hegrina.

Hengst geb. Vater – Mutter (1) (1) (1) (1) (1)
Itou Lui 1952 Kairos - R.Elle 1961-1975 191 9 4 14,7
Gentleman IV 1950 Simoun M - Scio M 1958-1966 215 6 6 17,9
Fifi beau Gosse 1949 Petit Jean III - Ultra Chouette 1961-1972 290 13 3 18,1
Iskander F 1952 Urzy - Mon Espoir II 1963-1971 186 5 5 18,6

Eines ist den drei Leadern Kelfren, Io d’Amour und Itou Lui gemeinsam: Sie besitzen alle, trotz ihrer französischen Herkunft, einen Schuss amerikanisches Traberblut. Kelfrens Mutter Sada Williams stammt von Sam Williams v. Peter Scott, der ein Halbbruder zu Deutschlands bestem Vorkriegs-Traber Walter Dear war. Sam Williams ist ebenfalls Ur-Großvater von Io d’Amour. Itou Luis Großvater heißt The Great McKinney.