Gedanken über die Traberzucht in Deutschland
vom 07.10.2015

(jg) – Auf der Mitgliederversammlung des HVT im Mai dieses Jahres stellte der Präsident vor einer kleinen Schar von Züchtern Maßnahmen vor, die aus der Sicht des Präsidiums geeignet sein sollten, die deutsche Traberzucht zu fördern.

Für den 25. September hatte der HVT zu einem „Züchtergespräch“ nach Berlin eingeladen. Die Bekanntgabe des Ortes, Datums und Uhrzeit des Treffens geschah 24 Stunden vor Veranstaltung (siehe www.mein-trabrennsport.de / Zeitangabe: 24.09.2015). Wer zufällig vor Ort gewesen ist wissen wir nicht. Allzu viele sollen es nicht gewesen sein.

Über welche Zucht fördernde Maßnahmen ist diskutiert worden? Gibt es Beschlüsse? Dazu hat die Mehrzahl der deutschen Traberzüchter bis auf den heutigen Tag nichts erfahren. Dabei brennt es wieder einmal an allen Ecken und Enden.

Der Anfang vom Ende

Der wohl radikalste Umbruch in der über 100jährigen Geschichte der Traberzucht in Deutschland geschah zu Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts durch die Einführung der Gefrierbesamung.

Vor 1990:
Die Stute reiste zur Bedeckung zum Hengst. Der Hengst befand sich in der Regel in örtlicher Nähe zur Stute.

Heute:
Der Samen des Hengstes wird zur Stute geschickt. Hengste stehen rund um den Globus zur Auswahl.

Die Folgen:
Die Qualität der Traberzucht hat sich international erheblich verbessert. Nicht konkurrenzfähige Zuchten und Märkte sind zur Bedeutungslosigkeit verdammt.

Der Trabrennsport in Deutschland zählt zu den Verlierern der Globalisierung

Vor 1990 nahm der deutsche Trabrennsport sportlich und wirtschaftlich Rang 4 in Europa ein. Die wirtschaftliche Bedeutung des Trabrennsports in Deutschland hat sich seitdem gravierend verschlechtert. Die Qualität der deutschen Traberzucht hat gegenüber den führenden Traber-Nationen Europas nicht Schritt halten können. Warum?

Die Situation der Besitzer

Die Rennpferdehaltung in Deutschland ist selbst mit Spitzenpferden finanziell kaum ausgleichend. Nur ein erfolgreicher internationaler Einsatz der Pferde kann Defizite in einen erträglichen Rahmen halten. Deutlich angehoben werden müssten die Dotationen der gehobenen Rennen, die stattdessen fort laufend gesenkt wurden. Für den Pferderennsport gilt das gleiche wie für das Glücksspiel und die Wirtschaft im allgemeinen: Je höher die Gewinnaussichten, je größer die Investitionsbereitschaft.

Mangels lukrativer Gewinnmöglichkeiten in Deutschland hat sich auch die Besitzerstruktur in den zurückliegenden Jahren erheblich verändert. Es gibt heute viel mehr Besitzer, die eigene Aufwendungen bei der Vorbereitung ihrer Pferde einbringen. Die Zahl der Besitzer, die professionelle Trainer in Anspruch nehmen, ist deutlich geringer geworden.

Die Situation der Züchter

Die Zucht des Trabers in Deutschland ist in der Regel Verlust bringend. Könnte man einem Besitzer noch vorhalten, die Rennpferdehaltung sei ein Hobby und Hobbys kosten Geld, so gilt dies nicht für den Züchter. Der Züchter betreibt kein Hobby, sondern einen Lebensunterhalt. Ein defizitärer Betrieb stellt seine Tätigkeit ein.

Der Traberzüchter in Deutschland steht in unmittelbarer Konkurrenz zu Züchterkollegen in Europa. Nur ein nach international höchsten Ansprüchen gezogenes Pferd bietet profitable Absatzmöglichkeiten. Insofern kommt der deutsche Traberzüchter nicht umhin, mit international konkurrenzfähigen Hengsten und Stuten züchten.

Das Dilemma für den deutschen Züchter ist, dass das Rennpreisniveau und die Züchterprämie in vielen Ländern Europas, insbesondere auf höchstem Niveau, weitaus attraktiver ist als in Deutschland. Die Decktaxen der international begehrten Spitzenhengste sind den führenden Märkten angepasst. Wer für den deutschen Markt züchtet, produziert im Grunde eine in der Herstellung überteuerte Ware. Ein fairer Wettbewerb findet nicht statt. Das ist der Preis der Globalisierung.

Der Trabrennsport besitzt nach persönlicher Auffassung nur eine Zukunft, wenn er in möglichst vielen Ländern Europas erfolgreich betrieben wird. Zwei Traber-Nationen allein werden diesen Sport auf Dauer nicht am Leben erhalten.

Die Rahmenbedingungen

Hengste:
In Schweden: Körung durch eine Kör- und Veterinärkommission.
In Frankreich: Körung und Abkörung durch einen Anforderungskatalog und eine Kör- und Veterinärkommission. Einstufung in Gruppen (jährlich 100 Decksprünge, 60 Decksprünge, 20 Decksprünge)
In Italien: Körung und Einfuhr durch einen Anforderungskatalog.
In Deutschland: Keine Anforderungen.

Stuten:
In Frankreich: Körung und Abkörung durch einen Anforderungskatalog. Einstufung in Gruppen.
In Italien: Einfuhr durch einen Anforderungskatalog.
In Deutschland: Keine Anforderungen.