Geronimo T
vom 23.06.2016

(jg) – Der Sieg von Geronimo T in den beiden Buddenbrock Trials hat Traber-News.com neugierig auf die Herkunft des Hengstes gemacht. Wir haben erstaunliches entdeckt.

Keine sechs Wochen trennen uns mehr vom Deutschen Traber-Derby in Berlin, das für einige Pferde der Höhepunkt ihrer Rennkarriere bedeuten kann. Einer mit guten Aussichten zumindest auf eine vordere Platzierung ist sicherlich der von Hans-Joachim Tipke gezogene Geronimo T.

Rennkarriere
Der Hengst begann seine viel versprechende Rennkarriere am 10. April in Hamburg mit einem leichten Sieg in 1:17,1 / 2200 Meter. Anschließend wurde Geronimo T in einigen besser dotierten Jahrgangsrennen angespannt. Bei seinem ersten Versuch auf höherem Niveau eine Woche später im Adbell Toddington Trial 1 auf der Derbybahn überquerte der Hengst zwar als Zweiter zu Blackhawk die Ziellinie, jedoch zeigten die Bahnrichter wegen einiger geringfügiger Fehltritte im Einlauf wenig Gnade und hängten Geronimo T an den Turm. Besser klappte es am 1. Mai in Gelsenkirchen, wo der Hengst in einer schnellen Schlussphase nur an Blackhawk und Dreambreaker scheiterte.

Die letzten beiden Auftritte im Buddenbrock Trial 1 in Gelsenkirchen und im Trial 2 in Berlin sahen Geronimo T als überlegenen Sieger. In Vertretung für Hans-Jürgen Tipke hatten Torsten Tietz bzw. Dennis Spangenberg die Steuerung übernommen. Mittlerweile ist mit Johann Holzapfel ein Mitbesitzer ins Boot gestiegen.

Beschäftigen wir uns nun mit der väter- und mütterlichen Herkunft des Derby-Aspiranten. Sie ist bemerkenswerter als man auf den ersten Blick vermutet. Geronimo T ist einer der inzwischen selten gewordenen Exemplare, deren Wurzeln bis in die glorreiche Zeit des deutschen Trabrennsports zurückführen. Der Tipke-Hengst ist aber auch ein Musterbeispiel für eine beharrliche, bodenständige Traberzucht, wie sie in früheren Jahren des öfteren anzutreffen war.

Vater Uranus
Geronimo Ts Vater Uranus mag vielen kein Begriff sein, obwohl der Hengst 27 seiner 83 Rennen siegreich beendete und 238.203 Euro Gewinne eintrabte. Uranus wurde 1999 von Günter Herz gezogen und als Jährling an Jürgen Utecht verkauft.

Dreijährig siegte Uranus im damals noch als Zuchtrennen entschiedenen Permit-Rennen und war Vierter in einem Derby-Vorlauf hinter Lets Go, German Boy und Remy Kievitshof. Sein Steuermann war Tapani Hautala.

Nach dem Derby wechselte Uranus ins Training zu Heli Biendl und war 2003 im Süden Deutschlands eine Macht. 10 seiner 16 Starts gestaltete der Hengst siegreich und gewann u.a. den Preis der Stadt Pfaffenhofen. Im Pit Pan-Rennen scheiterte Uranus an Mack November und im Criterium der Vierjährigen an Pablo As. Drei Ausflüge nach Vincennes, u.a. in einem Vorlauf zum Großen Preis der U.E.T., endeten jeweils in den Geldrängen.

Sein erfolgreichstes Jahr erlebte Uranus 2004 und 2005 in Frankreich bei Jean Louis Peupion. Fünf Siege gelangen dem Frankreich-Ausflügler, zwei davon in Vincennes. Die beiden Wertvollsten waren die Siege im Prix de Champtoce in 1:14,7 / 2700 Meter und im Prix Titania in 1:13,6 / 2700 Meter mit Pierre Vercruyssee im Sulky. Auch beim Sieg im Finale des Deutschen Fünf- und Sechsjährigen-Zirkels in Dinslaken hatte der Franzose die Steuerung übernommen.

2007 kehrte Uranus aus Frankreich zurück. Die Gewinne aus Frankreich drückten mittlerweile sehr. Ende 2007 wechselte Uranus zu Hans-Jürgen Tipke in Training und am 29. Januar 2009 startete der Hengst erstmals für die Farben seines Trainers. Zuvor hatte Uranus 2008 schon zwei Stuten gedeckt. Geronimo T ist Uranus’ fünfter und letzter Nachkomme. Der Hengst ist seit 2013 als ausgeschieden geführt.

Abstammung Uranus
Uranus stammt von dem französischen Champion-Vererber Coktail Jet aus der Zuchtrennensiegerin Mirandolina. Die Stute gewann 1994 für das Gestüt Lasbek das Versuchsrennen der Zweijährigen in Hamburg. Ihre Mutter Gratia zählt zur Familie der Puff Hanover und ist eine Halbschwester zum Zuchtrennensieger Mayfair, zum internationalen Sieger Park Ridge Lobell und zu den Müttern der Zuhtrennensieger Prahler, Roederer Cristal und Express Courier.

Puff Hanover war als Mutter des Derbysiegers Patrizier und weiterer Top-Pferde wie Noble, On Top, Jaguar, Master Pit und Lasbeker zu ihrer Zeit die erfolgreichste Zuchtstute der deutschen Traberzucht. Bereits vor ihrer Ankunft in Deutschland hatte sie in den USA mit Smart Rodney einen Spitzentraber hinterlassen. Uranus erfüllte wesentliche Anforderungen eines Deckhengstes: Jahrgangs-Spitzenpferd mit hervorragender Vater- und Mutterlinie.

Die Mutterlinie von Geronimo T
Wirklich interessant wird es, wenn man sich die Mutterlinie von Geronimo T anschaut. Sieben Generationen inländische Traberzucht ist schon allein für sich ungewöhnlich. Doch es steckt noch mehr dahinter.

Als Charlie Mills 1936 die damals 21jährige Blitzie für eigene Rechnung nach Deutschland einführte, war dies eine Sensation. Blitzie war Mutter des Hambletonian-Siegers Walter Dear, 1934 in der Hand von Charlie Mills auch Sieger im Prix d’Amerique. Blitzie war aber auch Mutter des Elite-Trabers Sam Williams, der die heute erfolgreichste Hengstlinie der französischen Traberzucht begründet hat und dessen prominentester Vertreter Coktail Jet ist, Vater von Uranus. Dies ist also die Mutterlinie von Geronimo T.

Einige Jahre zuvor, 1932 schon, hatte Charlie Mills die Walter Dear-Schwester Maud Dear nach Deutschland importiert. Ihre 1934 geborene Tochter Modell v. Colonel Bosworth wurde Mutter des Deckhengstes Mosaik, Vater des Champions Santiago und Großvater der Klassepferde Early Boy, Santi, Edeljag und Salo.

Alles schön und gut mag man jetzt einwenden, aber zwischen Walter Dear, Sam Williams und Geronimo T liegen Generationen. Das stimmt. Aber schauen wir genau hin, die Mutterlinie von Geronimo T ist seitdem nicht erfolglos gewesen. Geronimo Ts sechste Mutter Moosröschen 3, 1:27,0, geb. 1936 v. Guardian Trust, war die erste Zuchtstute von Gätje Corssen aus Lemwerder bei Oldenburg. Die Stute ging 1960 ein und hinterließ 14 Fohlen, von denen die 1954 geborene Moosrose 1:22,5 v. Epilog am erfolgreichsten war. Moosrose gewann 1958 in einer Saison 10 Rennen gewann.

Moosrose hatte sieben Nachkommen, von denen wir zwei herausheben möchten. Der eine ist der 1964 geborene Bibijunge-Sohn Moosbube, die andere Moosliesel 1:20,6, die 1967 geborene Vollschwester zu Moosbube. Beide Pferde waren auf Hamburger Stadtgebiet Seriensieger. Moosbube gewann während seiner Karriere 56 Rennen und Moosliesel 33. Allein mit den Siegerrosetten dieser beiden Pferde könnte man einen ganzen Stall tapezieren.

Moosliesel erwies sich nach Beendigung ihrer Rennlaufbahn als sehr fruchtbar. Ihre ersten acht von 12 Nachkommen brachte sie ohne auch nur einmal auszusetzen. Ihr Erstling, Moosfürst 1:17,6, geb. 1976 v. Nizam II, war mit 44 Siegen ihr Bester, die 1981 geborene Moosröschen 1:16,7 v. Lord Pit, ihr schnellster Nachkomme. Mit ihr züchtete Hans-Joachim Tipke.

Moosröschens bester Nachkomme war die 1991 geborene Native Starlight-Tochter Miami 1:14,9, mit der Hajo Tipke 1996 für Gerd Schuster als ungeschlagenes Pferd den Deutschen Fünfjährigen-Zirkel I gewann und einige Monate später in Recklinghausen den Deutschen Fünfjährigen-Zirkel V.

Als Miami in die Zucht ging, gehörte sie Hans-Joachim Tipke wieder alleine. Ihr erstes Produkt, der 1999 geborene Victory Ti 1:12,5 v. Ideal, startete erneut für die Farben von Gerd Schuster und siegte 2002 im Bernhard Frahm-Rennen I und war Zweiter in der Krone der Dreijährigen. Miamis letztes Produkt war die 2003 geborene Zita Jones 1:19,1, die Mutter von Geronimo T. Sie stammt von dem 1993 von Hans-Joachim Tipke aus Schweden eingeführten Bonefish-Sohn Ask for Pass. Der Hengst lief einige Zeit erfolgreich in Norddeutschland. Von seinen sieben Nachkommen war Zita Jones das letzte Produkt.

Geronimo Ts Verwandtschaft im Ausland
An dieser Stelle möchten wir auch auf verwandtschaftliche Beziehungen von Geronimo T in den USA, Italien und sogar Frankreich hinweisen. Eine Halbschwester zu Moosrose, die 1942 geborene Moosblüte v. Peter Pluto, besaß lediglich einen weiblichen Nachkommen. Es war die 1954 von Hans Struck, Kisdorf, gezogene Morelle 3, 1:26,8 v. Epilog. Morelles Weg führte nach Dänemark, wo die Stute eine Vielzahl sehr nützlicher Pferde brachte. Ihr Prunkstück war die 1974 geborene Pay Dirt-Tochter Anni Rohde.

Anni Rohde gehörte Fritz Haug, ein Däne, der Ende der 70er Jahre nach Kalifornien ausgewandert ist. Der Chronist dieser Zeilen traf Fritz Haug in Florida, der mit seiner Stute etliche Siege und mehr als 60.000 Dollar Gewinne in den USA erzielt hat. Anni Rohde brachte 14 Fohlen zur Welt, von denen drei mehr als 100.000 Dollar gewannen.

Der amerikanische Zweig der Anni Rohde wird am erfolgreichsten durch ihre 1988 geborene Tochter Desijoe v. Meadow Road repräsentiert. Desijoe brachte Ringside Rocket 1:54 / 583.090 $ v. Giant Victory, Dritter in der Breeders Crown 2000. Desijoes Tochter Ringside Gigi ist Mutter der erfolgreichen Rennpferde Ringside Leah 3, 1:56.1 / 271.763 $ v. Yankee Glide, Ringside Lauryn 1:52.4 / 313.497 $ v. Dream Vacation und Ringside Muscle 1:54 / 157.384 $ v. Muscles Yankee.

Zwei weitere Töchter der Anni Rohde fanden ihren Platz in der italienischen Traberzucht. Dies sind die 1981 geborene Bonni v. Bonefish und die 1983 geborene Gully Girl v. Lindy’s Crown. Bonnis Tochter Susy Trio 1:14,7 / 248.880 Euro v. Indro Park ist Mutter des aktuell in Schweden erfolgreichen Scellino Luis 1:11,6 / 1.345.229 SeK v. Andover Hall.

Die dritte Anni Rohde-Tochter in Europa ist die 1985 geborene Singoalla 1:58.4 / 127.593 $ v. Cape Canaveral, die Aufnahme in das französische Gestütsbuch fand. Sie brachte 1992 Elisa du Chene v. Jiosco. Danach musste die Stute nach Schließung des französischen Gestütsbuchs nach Italien ausgeführt werden.

Elisa du Chene hinterließ in Frankreich eine umfangreiche Nachkommenschaft, doch nur vier ihrer Kinder sind mit Rekorden gelistet. Eines davon in Norwegen. Am erfolgreichsten war der 2004 geborene Quartz du Chene mit einem Rekord von 1:13,6 unter dem Sattel und 184.990 Euro Gewinne.