Gilda Newport
vom 18.08.2016

Die Unbesiegte

(jg) – Es war die Bestätigung dessen, was alle erwartet hatten. Gilda Newport ist die beste Stute ihres Jahrgangs. In der Rekordzeit von 1:12,9 sicherte die Donato Hanover-Tochter den fünften Stuten-Derby-Pokal für ihre Besitzerin Marion Jauß.

Sechs Starts und sechs Siege, alle unter klassischen Bedingungen. Überzeugender kann eine Bilanz nicht ausfallen. Gilda Newports Trainer Dion Tesselaar hat erstklassige Arbeit abgeliefert. Mit der Ausnahme ihres Sieges im Jugend-Preis 2015 startete Gilda Newport bislang ausschließlich im Jahrgang gegen Altersgefährtinnen. Eine Praxis, die in führenden Trabersport-Nationen seit langem als selbstverständlich gilt.

Das Stuten-Derby war auch für Gilda Newports Züchter Pieter ter Borgh ein Erfolg auf ganzer Linie. Durch Gildas Zuchtgefährtin Gamine Newport auf dem zweiten Rang gelang dem Amsterdamer Immobilienkaufmann sogar der eins-zwei Punch.

Endlich einmal scheint die deutsche Traberzucht über einen in der Spitze wie Breite hervorragend gelungenen Jahrgang 2013 zu verfügen. Das ist das Verdienst deutscher und holländischer Züchter, die trotz ungünstiger Bedingungen weder Mühe noch Kosten scheuen, um ihre Zucht fortwährend zu verbessern. Gilda Newport ist das beste Beispiel.

2007 weilte Pieter ter Borgh in Harrisburg (USA), um auf der führenden Mixed-Sale Amerikas Ausschau nach einer viel versprechenden Zuchtstute zu halten. Kurz zuvor hatte er einen Deckanteil von Donato Hanover erworben, Amerikas besten dreijährigen Traber des Jahres 2007. Nun galt es, eine passende Stute für eine Anpaarung zu finden.

Pieter ter Borghs Auge fiel auf die Katalog-Nr. 1463 Color Schemes, eine vierjährige Stute von Dream Vacation. Color Schemes befand sich damals noch im Rennstall und hatte bereits mehr als 100.000 Dollar auf ihrem Gewinnkonto stehen. Die Stute war überwiegend in Sires Stakes-Rennen in New Jersey eingesetzt worden, hatte zweijährig bereits im Juli eine Abteilung der ersten New Jersey Sires Stakes-Serie auf The Meadowlands gewonnen und war in weiteren Sires Stakes-Rennen platziert.

Die mütterliche Seite von Color Schemes ist vom Allerfeinsten. Mutter Paisley Yankee v. American Yankee hatte im Herbst 2007 einen noch ungeschlagenen zweijährigen Nachkommen und ist eine Halbschwester zum Hambletonian-Sieger Yankee Paco. Die Großmutter Yankee Playgirl v. Speedy Crown ist eine Halbschwester zum Hambletonian-Sieger Muscles Yankee. Zwei Hambletonian-Sieger also in Verbindung mit der ersten und zweiten Mutter. Pieter ter Borgh gefiel das und er schlug zu.

Zugegeben, Color Schemes war nicht billig. 110.000 Dollar musste der engagierte Traberzüchter für die Stute auf den Tisch legen, aber Qualität hat nun einmal seinen Preis. Und bereut hat Pieter ter Borgh seinen Kauf gewiss nicht.

Color Schemes startete noch einmal für Pieter ter Borgh in den USA, verbesserte ihren Rekord auf 1:11,8 und fügte ihrem Gewinnkonto noch ca. 2.000 Dollar hinzu. Dann ging es zur Hanover Shoe Farm zu Hof von Donato Hanover.

Aber jeder Traberzüchter weiß, dass nicht immer alles sofort nach Plan verläuft. Color Schemes nahm im ersten Jahr nicht auf. Erst 2010 durfte sich Pieter ter Borgh über das erste Fohlen von Color Schemes freuen, das den Namen Dream of Newport erhielt und 2011 in Harrisburg für 25.000 Dollar verauktioniert wurde.

Die Stute war frühreif, besaß aber nicht die Klasse ihrer Mutter. Dasselbe galt für das zweite Produkt der Color Schemes, die 2011 geborene East of Newport v. Donato Hanover. Marion Jauß hatte auf der Grand Prix Sale in Hamburg ein Auge auf diese Jährlingsstute geworfen und für 49.000 Euro den Zuschlag erhalten. East of Newport gelangte zweijährig zweimal an den Ablauf. Ihre beste Leistung war ein dritter Rang in 1:17,4 hinter Sandro Power und Way Scott in einem Rennen für zweijährige Pferde in Hamburg.

Auch der nächste Nachkomme der Color Schemes, der 2012 geborene Forever Newport, stammte von Donato Hanover und wechselte in den Besitz von Marion Jauß. Abermals hatte die Neritzerin nicht wirklich Glück. Nach nur einem erfolglosen Start im Laufe der Derby-Saison wurde Forever Newport nach Schweden verkauft.

Das vierte Donato Hanover-Produkt der Color Schemes in Serie ist Gilda Newport, die aktuelle Stuten-Derby-Siegerin. Jesse ter Borgh erzählte mir, dass man sich nach zwei unglücklich verlaufenen Verkäufen mit den Kindern der Color Schemes nicht traute, diese prachtvolle Stute erneut Marion Jauß zum Kauf anzubieten. Also erhielt Dion Tesselaar die Chance, sein Glück zu versuchen.

Nach einer siegreichen Qualifikation Ende August in Wolvega in 1:17,3 war Marion Jauß allerdings doch interessiert. Sie kaufte und siegte. Gilda Newport gewann vier Wochen später für die weinroten Farben von Marion Jauß die Breeders Crown und anschließend den Jugend-Preis. Der Rest ist Geschichte.

Gilda Newport besitzt das moderne, klassische Pedigree vieler erfolgreicher amerikanischer Traber der Gegenwart. Vater Donato Hanover präsentiert die Garland Lobell-Hengstlinie, ergänzt durch einen zweifachen Blutanschluß zu Valley Victory (4x4), eingebettet in Super Bowl und Speedy Crown.

Gilda Newports Familie ist übrigens dieselbe wie von Derby-Sieger Muscle Scott. Die 1958 geborene Hoot Yankee v. Hoot Mon ist Gildas sechste und Muscle Scotts siebte Mutter. Hoot Yankee ist eine Enkelin der erstklassigen Rennstute Earl’s Princess Martha, Mutter des ehemaligen US-Vaterpferdchampions Rodney, Ur-Großvater des Zuchtgiganten Speedy Crown.

In den Startlöchern stehen zwei weitere Nachkommen von Color Schemes, die zweijährige Charlotte Newport und der Jährlingshengst Icebear Newport. Beide haben den Prix d'Amerique-Sieger Abano As zum Vater. Charlotte Newport lieferte bereits eine beeindruckende Qualifikation in 1:16,0 ab.

Gespannt blicken wir auf die weitere Rennkarriere des Juwels Gilda Newport. Näher als zwei Längen war bislang noch kein Altersgefährte im Ziel bei der Stute. Gesundheit und Form vorausgesetzt, wäre ein internationaler Vergleich im Orsi Mangelli Filly der nächste logische Schritt.

Das Pedigree

http://thebloodbank.info/servlet/GetBBData?breed=warm&trotter=gilda+newport