Großartige Leistungen dreijähriger deutscher Pferde auf internationalem Parkett
vom 11.06.2018

(jg) – Auf vier hochkarätige Derby-Pferde internationalen Formats kann die deutsche Traberzucht in diesem Jahr blicken. Das hat es seit 20 Jahren nicht mehr gegeben.

Wir erinnern uns an das Jahr 1996, als die deutsche Traberzucht durch Dino As, Dothebest und Kandalora im Gran Criterium in Mailand die Podiumsplätze eins bis drei belegen konnte. Seitdem ist es einigen deutschen Trabern zwar gelungen, zu Beginn einer Derby-Saison auch international vereinzelt Duftmarken zu setzen, aber niemals so wie in dieser Saison.

Russel November gewann 2006 in den Monaten Mai und Juli in Paris-Vincennes und Enghien den Prix Gallea und den Prix de Berlin (Gr 3). Im Derby triumphierte der Hengst anschließend mit neun Längen Vorsprung. Lobell Countess war unserer Erinnerung nach das letzte deutsche Pferd, das in den Monaten Mai bis Juli vor dem Derby in Vincennes hätte gewinnen können. Die Stute startete am 10. Mai 2011 im Prix Fama (Gr 3), scheiterte jedoch unglücklich an einem Fehler. Auch sie gewann später das Deutsche Traber-Derby.

In diesem Jahr sieht vieles anders aus. Mister F Daag (Conway Hall – Miss Love) behauptete sich am 9. Juni in Vincennes im Prix de Gien (Gr 3) siegreich mit deutschem Rekord von 1:13,5 über die lange Distanz.

Isabella Boshoeve (Ready Cash – Yewel Boshoeve) und Avalon Mists (Pastor Stephen – Sunshine Bi) belegten am selben Tag einen dritten und fünften Rang im Prix d’Istres (Gr 3). Avalon Mists war zuvor am 8. Mai Zweite im Prix Fama (Gr 3) gewesen.

Schon im vergangenen Jahr hatte Avalon Mists in Wolvega die Breeders Course (Gr 2) in der deutschen Rekordzeit von 1:14,0 gewonnen und die Konkurrenz aus Schweden auf die Plätze verwiesen.

Vierter im Bunde der deutschen Spitzen-Dreijährigen in diesem Jahr ist Gestüt Lasbeks Northern Charm (Muscle Hill - Clothie). Der Hengst holte sich am 12. Mai in Aby das Breeders Course-Finale (Gr 2) in der deutschen Saisonbestzeit von 1:12,3 über die Meile. Im Vorjahr übrigens war Flying Fortuna in diesem Rennen Zweiter gewesen. Eine Platzierung, die der Hengst auch 14 Tage später im Deutschen Traber-Derby erreichte.

Northern Charm soll auf dem Weg zum Deutschen Traber-Derby in Färjestad am 30. Juni das E 3-Finale (Gr 1) um 200.000 Euro bestreiten. Die Vorläufe für dieses Rennen sind für den 17. Juni terminiert. Es erscheint unwahrscheinlich, dass der Hengst vor dem Derby seine Visitenkarte in Deutschland abgeben wird.

So erfreulich die Erfolge junger deutscher Pferde im Ausland auch sind, die Kehrseite der Medaille ist, dass man diese Pferde immer seltener in Deutschland erleben darf. Mister F Daag und Avalon Mists sind 2018 noch kein einziges Mal in Deutschland gesichtet worden. Die Stute überhaupt erst einmal während ihrer Rennkarriere. Northern Charm absolvierte 2018 lediglich einen Probelauf in Hamburg.

Und noch eines haben die vier deutschen Spitzentraber gemeinsam: Sie stehen unter der Verantwortung eines ausländischen Trainers. Zufall? Eher nicht, wenn man einen Blick auf die Liste der Derby-Sieger der letzten Jahre wirft. Seit dem Jahr 2000 findet man nur noch vier (!) deutsche Trainer in der Ehrenliste des Derbys. Allein in den letzten fünf Jahren sind viermal Paul Hagoort und einmal dessen Lehrmeister Arnold Mollema als Trainer des deutschen Derby-Siegers verzeichnet.

Auch ein wesentlicher Teil der Besitzergelder im wichtigsten Rennen des deutschen Trabersports fließt regelmäßig an ausländische Rennställe. Das Derby 2017 bildete die berühmte Ausnahme von der Regel. Seit dem Jahr 2000 stand der deutsche Derby-Sieger nur fünf Mal in alleinigem Besitz eines deutschen Rennstalls. Das sind Fakten, die zum schleichenden Exodus deutscher Rennställe beigetragen haben.

Die Derby-Favoriten 2018 bei den Hengsten und Stuten aus Sicht von Traber-News.com:

Northern Charm
br. Hengst, geb. 6.5. v. Muscle Hill (US) – Clothie (DE) v. Coktail Jet (FR)
Züchter: Gestüt Lasbek (DE)
Besitzer: Gestüt Lasbek (DE)
Trainer: Christian Lindhardt (DK)

Das Pedigree: http://www.sophiapedigrees.com/search/1316962/standard/

Mister F Daag
br. Hengst, geb. 28.3. v. Conway Hall (US) – Miss Love (DE) v. Love You (FR)
Züchter: Jean L.P. Huls (NL)
Besitzer: Joseph A.C. Vanduffel (BE)
Trainer: Paul Hagoort (NL)

Das Pedigree: http://www.sophiapedigrees.com/match/3607/1369269/standard/

Avalon Mists
br. Stute, geb. 9.5. v. Pastor Stephen (US) – Sunshine Bi (IT) v. Varenne (IT)
Züchter: AGM Groot Beheer (NL)
Besitzer: Stable Why Not (NL)
Trainer: Paul Hagoort (NL)

Das Pedigree: http://www.sophiapedigrees.com/search/1238176/standard/

Isabella Boshoeve
schwbr. Stute, geb. 25.3. v. Ready Cash (FR) – Yewel Boshoeve (DE) v. Diamond Way (DE)
Züchter: Wiebe D. Landman (NL)
Besitzer: Wiebe D. Landman (NL)
Trainer: Dion P. Tesselaar (NL)

Das Pedigree: http://www.sophiapedigrees.com/match/1960/336621/standard/

Die bisherigen Rennkarrieren der Derby-Favoriten:

  Rekord Gewinne Starts 1. 2. 3,
Northern Charm 1:12,3 – 1640 A 71.090 Euro 6 4 1 -
Mister F Daag 1:13,5 – 2700 B 62.223 Euro 5 3 1 -
Avalon Mists 1:14,0 – 2700 B 57.400 Euro 5 1 2 -
Isabella Boshoeve 1:14,0 – 2700 B 37.233 Euro 7 3 1 1

Stand 11.6. 2018