Karrieren deutscher Zuchtstuten im Ausland (Teil 3)
vom 30.09.2015

Holland

(jg) – Viele deutsche Traberstuten haben in den vergangenen Jahren den Weg ins Ausland gefunden. Nicht wenige haben in ihrer neuen Heimat bemerkenswerte Zuchtkarrieren erlebt.

In unserer dritten Reihe schauen wir auf die Zuchtleistungen deutscher Stuten in Holland. Da unser Nachbarland nur über eine zahlenmäßig kleine Traberzucht verfügt, spielen holländische Traber in europäischen Gruppe-Rennen logischerweise nur eine untergeordnete Rolle. Vier ehemalige deutsche Stuten haben es dennoch geschafft, mit ihren Nachkommen in Gruppe-Rennen zu glänzen. Zwei davon ernteten Gruppe-Lorbeer sogar auf internationaler Ebene.

Insgesamt ist auffällig, dass holländische Züchter sehr flexibel sind. Man könnte sie auch als „europäische Wandersleute“ bezeichnen. Keine der vier Stuten mit denen wir uns nachfolgend beschäftigen hat ihre Zuchtkarriere ausschließlich in Holland erlebt. Sie wurden von einem zum anderen Zuchtverband verschoben.

Classy Valley 7, 1:13,3 – 20.430 Euro, geb. 1995 v. Prakas – Classique Victory
Die von Marion Jauß gezüchtete Classy Valley besitzt eine vornehme Abstammung. Ihr Vater Prakas war Hambletonian-Sieger 1985 und ihre Ur-Großmutter Delmonica Hanover siegte 1974 mit Hans Frömming im Prix d’Amerique. Classy Valley war mehr als nur ein nützliches Rennpferd.

Die Stute ist ein gutes Beispiel für die „wandernde“ Traberzucht in Holland. Ihr erstes Produkt 2004 war deutsch registriert, ihre nächsten vier Nachkommen holländisch, die folgenden zwei Produkte wieder deutsch und seit 2012 ist Classy Valley im schwedischen Gestütsbuch zu finden. Eigentümer der Stute ist Jan van Marion.

Die schwedische Registrierung der Stute hat gewiss etwas mit ihrem zweiten Nachkommen Yellow Eden 1:11,3 – 2.791.441 SeK v. Duc du Bossis zu tun. Yellow Eden gewann 2011 in Schweden den populären Harpers Hanover Lopp (Gr 2) und das C.L. Müllers Memorial (Gr 2). Sogar in Vincennes lieferte Yellow Eden eine siegreiche Vorstellung ab. In seiner Heimat Holland gewann Yellow Eden die Breeders Crown und die Sprintkampioenschap. Die restlichen Nachkommen von Classy Valley waren bislang ohne Belang.

Das Pedigree:

http://thebloodbank.info/servlet/GetBBData?breed=warm&trotter=classy+valley

Krizia November 3, 1:18,7 – 2.863 Euro, geb. 1997 v. Armbro Goal – Robintron
Nur drei Starts in den Monaten nach dem Derby absolvierte die von Michael Schröer gezüchtete Krizia November, eine Halbschwester zu Inferno November 1:15,5 – 65.916 Euro v. Lindy's Crown und Jerome November 1:14,6 – 59.840 Euro v. Sugarcane Hanover. Nachdem Krizia November ihre ersten drei Nachkommen noch unter dem November-Pseudonym geboren hatte, wurde sie von Jack de Jong an John Bootsman veräußert.

Ihr erster Nachkomme in Holland für Boko Stable, der 2006 geborene Zirko Boko 1:13,9 – 28.521 Euro v. General November, belegte im Derby Z (Gr 1) seines Herkunftslandes einen dritten Rang. Das holländische Derby war damals noch mit 105.000 Euro dotiert gewesen. Zirko Boko vermochte später in Schweden und Finnland nie mehr ein Rennen zu gewinnen. Auch Krizia November fiel mit keinem weiteren Produkt nennenswert auf.

Das Pedigree:

http://thebloodbank.info/servlet/GetBBData?breed=warm&trotter=krizia+november

Naomi November, geb. 2000 v. Viking Kronos – Meadowbranch Grace
Die Geschichte der Naomi November erzählten wir bereits anlässlich des Sieges ihres Sohnes Amour d’Occagnes im Matadoren-Rennen 2013. Nachzulesen im Archiv von Traber-News.com auf Seite 19 vom 8.8. 2013 unter „Ein würdiger Matador: Amour d’Occagnes“.

Die ungeprüfte Naomi November ist eine Halbschwester zu Joli November 1:15,3 - 94.401 Euro v. Texas, Sieger im Stuten Gold-Cup 1998. Ihre Mutter Meadowbranch Grace v. Speedy Crown war eine Vollschwester zum Hambletonian-Sieger Prakas 1:10,5 – 1.956.56 Dollar. Naomi November brachte zunächst drei Produkte für das schwedische Gestütsbuch. Ihr Nachkomme Amour d’Occagnes 1:11,5 – 639.030 Euro v. Diamant Gede war ihr erstes Produkt in Holland.

Der Hengst gewann nicht nur das holländische Derby A (Gr 1), sondern auch besagtes Matadoren-Rennen (Gr 1) in Berlin, den Eskilstuna Fyraaringstest (Gr 2), den Rex Rodneys Ärespris (Gr 2) in Forus und zahlreiche Rennen in Frankreich. Er war ein Europa-Matador.

Das Pedigree:

http://thebloodbank.info/servlet/GetBBData?breed=warm&trotter=naomi+November

Ironie 5, 1:14,5 – 60.500 Euro, geb. 1996 v. Speedy Soma – Nigri
Wie bei Classy Valley, Krizia November und Naomi November beschrieben, züchtete auch Ronald Nooteboom mit der von Günter Bünte gezogenen Ironie unter der Aufsicht unterschiedlicher Zuchtverbände. Mittlerweile ist Ironie beim belgischen Zuchtverband registriert. Zunächst einmal aber gilt festzuhalten, dass die aus der Mutterlinie von Hegrina 1:19,6 – 188.309 Euro v. Gerrol stammende Ironie als Vorlaufsiegerin im Stuten-Derby ein vortreffliches Rennpferd war.

Ironies erster deutsch registrierter Nachkomme landete über Schweden in Malta, ihr Zweiter war zweijährig in der Breeders Crown und im Gold Pokal platziert. Erst ihr 2009 in Holland registrierter Nachkomme Bibi Barosso 1:11,2 – 177.298 Euro v. Ken Warkentin brachte Ironie die volle Anerkennung in der Zucht. Bibi Barosso gewann in ihrer Heimat das Merrie-Derby B, das Derby der Vierjarigen (Gr 2) und weitere Rennen in Schweden und Deutschland.

Das Pedigree:

http://thebloodbank.info/servlet/GetBBData?trotter=618940&breed=warm

Yellow Eden 2005 H. v. Duc du Bossis Classy Valley v. Prakas
Zirko Boko 2006 H. v. General November Krizia November v. Armbro Goal
Amour d'Occagnes 2007 H. v. Diamant Gede Naomi November v. Viking Kronos
Bibi Barosso 2008 S. v. Ken Warkentin Ironie v. Speedy Soma

Der letzte Teil unserer Umschau führt uns in der kommenden Woche nach Italien. Auch hier hat eine deutsche Stute einen Derby-Sieger gebracht.