Lighten up Today auf den Spuren erfolgreicher Geschwister
vom 30.03.2016

(jg) – Mit dem Schwarzer Steward-Rennen für Pferde bis 9.000 Euro Lebensgewinnsumme wurde Ostermontag die Rennsaison 2016 der gehobenen Rennen in Hamburg eröffnet.

Sieger der Prüfung wurde der sechsjährige Wallach Lighten up Today im Besitz von Ulrich Mommert und trainiert und gefahren von Michael Larsen. Die Erfolge im Vorlauf und Finale bedeuteten Sieg Nr. sechs und sieben bei neun Starts in der bisherigen Rennkarriere von Lighten up Today.

Gezogen wurde Lighten up Today von Thomas Kestel aus Massenhausen in Bayern, der mit Lighten up Todays Ur-Großmutter Jean Hart v. Songcan begann Traber zu züchten. Diese 1981 in den USA geborene Stute gelangte 1986, tragend nach Flak Bait, nach Deutschland. Mit den Nachkommen der Jean Hart, der 1987 geborenen Hart Light und ihrer Tochter Celebrate Light, züchtet der passionierte Pferdezüchter Thomas Kestel nunmehr seit 30 Jahren mit bemerkenswertem Erfolg.

Hart Light gelangte in die Obhut des bayerischen Champion Heli Biendl, der mit der Stute 1989 im Straubinger Rennen Nr. 4 in der damaligen Rennrekordzeit von 1:17,6 nur hauchdünn einem Arnie N unterlag. Leider erwies sich Hart Light später in der Zucht nicht sonderlich fruchtbar. Die Stute hinterließ für Thomas Kestel nur drei Nachkommen.

Hart Lights drittes und letztes Produkt, die 1996 geborene Celebrate Light v. Supergill, belohnte allerdings Thomas Kestels Bemühungen fürstlich. Obwohl der HVT alles daransetzt, interessierten Züchtern Fakten vorzuenthalten und Leistungsdaten älterer Pferde aus der Datenbank löscht, können wir uns erinnern, dass Celebrate Light zwischen 2001 und 2003 ihre erfolgreichsten Jahre auf der Rennbahn erlebte. Mit Gerd Biendl siegte die Stute 2001 in Pfaffenhofen im Deutschen Fünfjährigen-Zirkel und war Zweite im Bruno Cassirer zu ihrer Trainingsgefährtin Paige Lobell. 2002 saß Roland Hülskath im Sulky hinter Celebrate Light und steuerte die Stute auf einen dritten Rang im Finale des Deutschen Fünf- und Sechsjährigen-Zirkels hinter Chattscha und Freiherr As. 2003 sprangen für Celebrate Light zwei hervorragende Platzierungen in den Stutenprüfungen Deutscher Stuten-Grand Prix und Daglfinger Stuten-Preis heraus. Im Stuten-Grand Prix in Gelsenkirchen steuerte Detlef Fleischer die Kestel-Stute und belegte einen dritten Platz zu Forest Sun und Orange Phoenix, während Celestial Light in Daglfing ein weiteres Mal an einer Trainingsgefährtin scheiterte, als Xella Hanover im Ziel die Nase in Front hatte.

Celebrate Light brachte zwischen 2005 und 2013 für Thomas Kestel sechs Fohlen zur Welt, darunter leider nur ein Stutfohlen. Inzwischen ist Celebrate Light als eingegangen gemeldet. Auf der 2011 geborenen Celestial Light TK, eine Tochter des Top-Vererbers Love You, ruhen also alle Hoffnungen zur Fortführung dieser Linie. Die Stute war vor zwei Jahren gute Dritte in einem Vorlauf zum Stuten-Derby und ist 2015 mit drei Siegen in die Winterpause verabschiedet worden. Es ist anzunehmen, dass Celestial Light TK in dieser Saison für größere Aufgaben vorgesehen ist.

Unter den Nachkommen der Celebrate Light verdienen insbesondere zwei ältere Geschwistern des aktuellen Siegers Lighten up Today hervorgehoben zu werden. Dies sind der 2005 geborene Light of Europ und der 2007 geborene Golden Sunlight. Beide Pferde haben überdurchschnittliches Können verraten. Light of Europ, ein Coktail Jet-Sohn, war 2010 und 2011 im Daglfinger Weihnachts-Pokal engagiert. 2010 war der Wallach Dritter zu Corleone und Top of the Rocks, 2011 Vierter zu Corleone, Lucky Moor und Provence. Auch das verschweigt leider die HVT-Datenbank.

Am erfolgreichsten war bisher Golden Sunlight, der ebenso wie Lighten up Today die Farben des Berliner Renstallbesitzer Ulrich Mommert trug. Die beste Leistung des SJ’s Photo-Sohns bekam man 2010 in der Breeders Crown zu sehen, wo er nur an Baron W. scheiterte. Vierjährig mischte Golden Sunlight in vielen Spitzenprüfungen seines Jahrgangs mit und belegte u.a. einen zweiten Platz zu Zowie Butcher bzw. Shali’s Alesi im Pit Pan-Rennen und im NRZ-Pokal und einen vierten Platz zu Il Lamborghini, Baltimore As und Independence in der Breeders Crown.

Interessant ist ein Blick auf die Anfänge dieser Mutterlinie, deren Stammmutter die 1887 in den USA geborene Emma T. ist. Die 1902 geborene Miss Adbell, eine Tochter der Emma T., triumphierte 1905 im Kentucky Futurity und Senator V, ein Enkel der Emma T., siegte 1939 im Walnut Hall Cup für ältere Traber. Dies war der letzte bedeutende Sieg eines Nachkommen dieser Familie in Nordamerika.

In Europa wurde die Familie der Emma T. erstmalig durch die nach Italien exportierte Emma Brook bekannt. Emma Brook selbst und zwei ihrer Töchter stellten in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts drei Sieger in den bedeutenden italienischen Jahrgangsklassikern Elwood Medium und Gran Premio d’Europa.

In der deutschen Traberzucht trat die Familie der Emma T. erstmals 1956 durch die Importation der Amerikanerin Way Around in Erscheinung. Für den Stall Dania gewann Way Around 1957 in der Hand von Josef Spieß vier Zuchtrennen und 1958 u.a. das Adbell Toddington. Sie war die erfolgreichste zweijährige Stute der Saison in Deutschland. 23 Jahre später duplizierte sich dieses Ereignis durch Wende Clöving, eine Ur-Ur-Enkelin der Way Around. Auch sie war erfolgreichste zweijährige Stute ihres Jahrgangs. Der zuletzt in Österreich beheimatete Abel Crown ist übrigens ein Enkel der Wende Clöving.

In den USA dürfte diese Familie mittlerweile nicht mehr existent sein, so dass Celestial Light TK gut und gerne der letzte Nachkomme dieser einst so stolzen Familie sein könnte.

Die Familie der Emma T in Deutschland:

1 Emma T (US) (1887 v. Socrates)
  2 Emma Cox (US) 3, T2:15 ½ (1908 v. Moko)
    3 Lady Belwin (US) (1918 v. Belwin)
      4 Countess Belwin (US) 2:04 (1936 v. Protector) Way Around 1955
        5 Way Around (US) 3, 1:20,3 (1955 v. Algiers)
          6 Weekend (DE) (1964 v. Rich Colby)
            7 Weekee Way (DE) (1970 v. Mr Way)
              8 Wena Clöving (DE) (1975 v. Senator III) Wende Clöving 1978
      4 Frances Belwin (US) 2:08 ¾ h (1922 v. San Francisco)
        5 Frances Dime (US) 2:17 ½ h (1933 v. Calumet Dime)
          6 Lady Dime (US) (1951 v. Riot Hanover)
            7 Dolly Dime (US) 2:07.1 (1963 v. Jody Hanover)
              8 Jean Hart (US) 2, 1:18,7 (1981 v. Songcan)
                9 Hart Light (DE) 1:15,5 (1987 v. Flak Bait) Celebrate Light 1996
                  0 Celebrate Light (DE) 1:13,2 (1996 v. Supergill)