Portland – eine neue deutsche Hoffnung!
vom 30.03.2018

(jg) – Es gibt nicht viele deutsche Pferde, die in jüngster Zeit die französische Traber-Metropole Vincennes als Sieger verlassen haben. Einer der Wenigen heißt Portland.

Dem Hengst galten von Anbeginn höchste Erwartungen. 19.000 Euro betrug der Zuschlagspreis für den schönen Fuchs auf der Derby-Jährlingsauktion in Berlin. Marion Jauß war die erfolgreiche Bieterin.

Im ersten Jahr seiner Rennkarriere gelangte Portland nur zweimal an den Ablauf. Zwei zweite Plätze waren das Resultat. Im Auktions-Rennen am 6. August in 1:16,5 und in der Breeders Crown Ende September in 1:15,2. Beide Male von Broadwell geschlagen. Als bekannt wurde, dass Broadwell auf Grund einer Verletzung dem Derby fernbleiben würde, durfte Marion Jauß vom ersten Derby-Sieg träumen.

Leider kam es anders. Auch die Saisonvorbereitung für Portland lief nicht reibungslos. Der elegante Fuchs-Hengst konnte vor dem Jahreshöhepunkt nur zwei vorbereitende Rennen bestreiten. Nach einem imponierenden Sieg im 2. Derby-Vorlauf in 1:13,3, der schnellsten Zeit aller 36 Derby-Teilnehmer, startete Portland im 250.000 Euro-Finale als 19:10-Favorit. Im Einlauf dann das Entsetzen – Portland machte sich schief, geriet aus dem Takt und endete zur Enttäuschung seines Umfelds am Turm.

Im Herbst vergangenen Jahres wurde Portland zu Björn Goop überstellt, der den Ganymede-Sohn nun zu einem internationalen Star-Traber geformt hat. Zwei Siege auf dem Plateau de Gravelle innerhalb von sieben Wochen haben uns davon überzeugt, sich mit Portland etwas genauer zu befassen. Gemessen am Stil seines letzten Sieges scheint ein Ende der Erfolgsserie auf absehbare Zeit eher unwahrscheinlich.

Vater: Ganymede
Portlands Vater ist der mittlerweile in Ehren ergraute Ganymede, der seit Jahren auf einem Podestplatz in der französischen Traberzucht steht. 2008 und 2014 errang der Hengst das französische Vaterpferde-Championat. Auch sein Vater Buvetier d’Aunou war 2000 französischer Champion.

Zu Ganymedes besten Nachkommen in Deutschland zählen Armando Kievitshof 1:11,2 – 403.977 Euro, Baltimore As 1:11,5 – 171.672 Euro, Heros 1:12,4 – 73.289 Euro, Emma di Quattro 1:12,9 – 69.968 Euro, Cilantro 1:14,4 – 56.591 Euro, Ganystar 3, 1:13,1 – 55.551 Euro und Ganyboy 3, 1:13,9 – 50.426 Euro. Zu ihnen hat sich jetzt Portland 1:12,9 – 83.704 Euro gesellt.

Mutter: Eiffel Bi
Portlands Mutter ist die im italienischen Zuchtbuch geführte Eiffel Bi. Die Stute startete zuletzt für die Farben des Stalles Kievitshof, hinter dem sich der holländische Züchter Frederik Maarsen verbarg, Schwager von Peter Heitmann. Nach der Geburt ihres ersten Fohlens wechselte Eiffel Bi in den Besitz der Züchtergemeinschaft Peter Heitmann und Christian Tausent. Sie sind Züchter von Portland.

Eiffel Bi errang in Italien bei 27 Starts 11 Siege und 71.528 Euro Renngewinne. Sie war zweijährig Fünfte in der Coppa Allevamento und dreijährig Dritte im Campionato Femminile dei 3 anni. Die Stute war auch Teilnehmerin am Premio Allevatori und an den Oaks del Trotto. Eiffel Bi zählte definitiv zur gehobenen Klasse ihres Jahrgangs.

Eiffel Bis erster Nachkomme, der 2008 geborene Benno Kievitshof, ein holländisch registrierter Muscles Yankee-Sohn, war sicherlich besser als sein Rekord von 1:13,7 und 20.000 Euro Gewinne zum Ausdruck bringen. Der Hengst gewann in Schweden seine ersten drei Lebensstarts und erzielte bei nur 11 Versuchen sechs Siege. Auch der 2009 geborene Kafka v. Ufo Kievitshof startete seine Rennkarriere in Schweden. Der Wallach ist der erste deutsche Nachkomme von Eiffel Bi und bis dato in Norwegen aktiv. 12 Siege, ein Rekord von 1:13,4 und über 40.000 Euro Gewinne stehen bei ihm zu Buche.

2011 wurde Miss Conway geboren, eine Tochter des Amerikaners Conway Hall. Ihre beste Leistung in Deutschland war ein zweiter Platz im Buddenbrock-Trial 2 B. In Schweden verbesserte sich die Stute später auf 1:13,0. Sie befindet sich aktuell in Frankreich zur Bedeckung.

Die 2013 geborene Open Access v. Muscles Yankee nahm nur zweijährig am Rennbetrieb teil. Zwei kleinere Platzierungen im Jugend-Preis Trial 1 und 2 waren ihre einzige nennenswerte Ausbeute.

Der 2014 geborene Portland ist der sechste Nachkomme der Eiffel Bi und wahrscheinlich ihr Haupttreffer. 2015 und 2016 gebar Eiffel Bi zwei bislang noch ungeprüfte Hengst-Nachkommen nach Sam Bourbon und Muscles Yankee und 24 Stunden nach Portlands großartigen Erfolg in Paris am vergangenen Sonntag ein Stutfohlen nach Love You.

Aus nichts wird nichts
Dieses aus dem lateinischen stammende Sprichwort kann man getrost auf die Herkunft Portlands anwenden. Erfolgreiche Hengstlinien gepaart mit einer exzellenten Mutterlinie markieren das Pedigree von Portland. Das Wichtigste in Kürze.

Eiffel Bis Mutter Real Bi ist eine Tochter des Zuchtgiganten Speedy Crown. Die Rückführung auf Speedy Crown über Ganymede könnte der Schlüssel des züchterischen Erfolgs sein. Armando Kievitshof, Ganymedes gewinnreichster Sohn in Deutschland, ist genau nach dem selben Muster gezüchtet.

Real Bi wiederum ist eine Vollschwester zu Ginger Belle 3, 1:11,5, welche 1982 schnellste dreijährige Traberstute aller Zeiten war. Es ist die Familie der Mambrino Beauty, eine der führenden Stutenstämme der internationalen Traberzucht mit Nachkommen wie Muscle Hill, Donato Hanover und Kadabra in Amerika, Belina Josselyn in Frankreich und Brioni in Deutschland.

Dem Team um Portland drücken wir für die weitere Entwicklung des Hengstes kräftig die Daumen. Die deutsche Traberzucht lebt, auch wenn das Überleben für die verbliebenen, engagierten Züchter immer schwieriger wird.