Profitieren mit Inzucht
vom 05.05.2016

(jg) – Abstammungen nationaler und internationaler Spitzenpferde verdienen unsere Aufmerksamkeit. Neugierde erweckt das Merkmal Inzucht.

Beim Thema Inzucht scheiden sich bekanntlich die Geister. Ob Fluch oder Segen hängt von der Kenntnis der Pferde ab, mit denen ein Züchter sein Glück versucht. Anhand von Zahlen aus dem deutschen und internationalen Trabrennsport möchte Traber-News.com belegen, dass insbesondere das Züchten mit Stuten mit Inzucht von Nutzen sein kann.

Was ist Inzucht?
Als Inzucht oder Verwandtschaftszucht bezeichnet man beim Traber das Vorhandensein gemeinsamer Vorfahren innerhalb der ersten drei Generationen (2x4, 4x2, 3x3, 2x3, 3x2). Die meisten Tierzuchten sind durch Inzucht auf wenige beste Stammeltern entstanden. Bei guter Kenntnis der Erbanlagen, erbgesundem Zuchtmaterial und natürlicher Aufzucht kann Inzucht zum Erfolg verhelfen. Interessant ist, dass Inzucht unter Trabern nachweislich weitaus verbreiteter ist als in der Vollblutzucht.

Skeptiker verweisen des öfteren auf wissenschaftliche Belege aus der Traberzucht, die Pferden mit Inzucht im Durchschnitt eine geringere Lebensgewinnsumme nachweisen als Pferde, die nach dem Linebreeding- oder Outcross-Prinzip gezogen sind. So können verdeckte, unerwünschte Erbanlagen durch Inzucht wieder in Erscheinung treten. Die der Inzucht oft zugeschobenen nachteiligen Folgen beruhen aber auf mangelnder Kenntnis der Erbanlagen der zur Inzucht benutzten Tiere. Zur Inzucht dürfen daher nur hervorragend erbgesunde und leistungsfähige Tiere herangezogen werden. Wer auf Spitzenvererber zurückgreift, kann seine Erfolgsaussichten verbessern.

Der Jahrgang 2014 in Deutschland: 467 Fohlen
Davon 29 Fohlen mit Inzucht = 6,2 %
Davon 73 Fohlen aus Mutter mit Inzucht = 15,6 %

Die deutsche Traberzucht ist heutzutage auf eine überschaubare Population zusammengeschrumpft. Sie ist jedoch noch groß genug, um aussagekräftige Ergebnisse zu gewinnen. Wir vermuten ca. 500 – 600 Traberstuten, die 2013 zum Zuchteinsatz in Deutschland gelangt sind. Hieraus haben sich 467 eingetragene Fohlen ergeben. Traber-News.com hat eine private, empirische Erhebung angestellt, ob und in wie weit Inzucht in der deutschen und internationalen Traberzucht von Vorteil sein kann.

Wir wissen, dass der deutsche Geburtenjahrgang 2014 467 Fohlen umfasst. Unsere Recherchen haben ergeben, dass 29 davon ingezüchtet sind (6,2 %), zwei sogar inzestuös. Diese 29 Pferde sind innerhalb ihrer ersten drei Generationen durch einen doppelten Vorfahren gekennzeichnet. Im einzelnen:

1 Pferd 2x2 Diamond Way (DE)
1 Pferd 2x2 Ewing Star (DE)
1 Pferd 3x3 American Winner (US)
1 Pferd 2x3 Armbro Goal (US)
1 Pferd 3x3 Baltic Speed (US)
2 Pferde 3x3 Coktail Jet (FR)
2 Pferde 2x3 Diamond Way (DE)
2 Pferde 3x3 Florida Pro (US)
1 Pferd 2x4 Garland Lobell (US)
1 Pferd 2x3 Heres (DE)
1 Pferd 3x3 Joie De Vie (US)
1 Pferd 3x3 Self Possessed (US)
2 Pferde 3x3 Speedy Somolli (US)
2 Pferde 3x3x5 Speedy Crown (US)
1 Pferd 3x3 Speedy Crown (US)
1 Pferd 2x4x4 Super Bowl (US)
1 Pferd 2x3 Supergill (US)
5 Pferde 3x3 Valley Victory (US)
1 Pferd 3x3 Aprilfee (DE) Muttertier
1 Pferd 2x3 Guilty of Love (FR) Muttertier

Basierend auf unseren Erkenntnissen des Jahrgangs 2014 haben wir unsere Untersuchungen über einen Zeitraum von 12 Jahren erweitert. Dabei haben wir festgestellt, dass Pferde mit Inzucht wohl keinen wesentlichen Vor- oder Nachteil in Bezug auf maximalen Erfolg besitzen. Der für den deutschen Geburtenjahrgang 2014 zu Grunde liegende Richtwert von 6,2 Prozent für Pferde mit Inzucht entspricht zu unserer Verblüffung exakt dem Wert aller beim HVT registrierten Sieger gehobener Rennen der Jahrgänge 2000 bis 2013 (209 Sieger, davon 13 mit Inzucht = 6,2 %).

Internationale Gruppe 1-Sieger (Jahrgang 2000 – 2013) mit Inzucht

Nordamerika 204 Pferde 30 Pferde 14,7 %
Italien 125 Pferde 14 Pferde 11,2 %
Schweden 155 Pferde 12 Pferde 7,7 %
Frankreich 159 Pferde 9 Pferde 5,7 %

International sehen die Zahlen etwas anders aus. In Nordamerika liegt der Anteil Gruppe 1-Sieger mit Inzucht bei 14,7 Prozent. Wir haben aber Anlass zur Annahme, dass in den USA und Kanada vermutlich weitaus mehr Pferde mit Inzucht gezüchtet werden als in Deutschland. In Italien erreicht der Anteil der Gruppe 1-Sieger mit Inzucht fast das amerikanische Niveau (11,2 %), während der Anteil der Gruppe 1-Sieger mit Inzucht in Schweden (7,7 %) dem deutschen Ergebnis nahe kommt. In Frankreich liegt der Anteil der Gruppe 1-Sieger mit Inzucht (5,7 %) geringfügig unter den deutschen Zahlen. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass der Anteil der Pferde mit Inzucht in der französischen Traberzucht prozentual am niedrigsten liegt.

Zuchtstuten mit Inzucht steigern die Erfolgsaussichten
Auffällig sind unsere Ergebnisse in Bezug auf die Mütter großer Sieger. Wir haben ermittelt, dass 73 Fohlen des deutschen Jahrgangs 2014 aus Müttern mit Inzucht stammen (15,6 %). Wir sprechen hier von Zuchtstuten, die innerhalb ihrer ersten drei Generationen einen doppelten Vorfahren aufweisen. Dies sind im einzelnen:

All American, Armbro Motion, Beaugest, Belle Epoque, Blackberry Hanover, Blue Darter, Caillou, Classic Beauty, Coming Home, Continental Lobell, Dream Light, Dreamliner, Electra Blue Chip, Elegance Real, Esperance, Ever Easy, Evita P, Fanciulla, Flash Lightning, Fleur Lavec, Flica, Flying Cloud, Florida Dei, Giant Emotion, Ginestra Lung, Ging Dl, Glide Chip, Hale Berry, Heather Bi, Ianira Dei, Imagine, In Flames, Keely Hanover, Lady Heldia, Lady Victoria, Lady Virginia, Light my Fire Bi, Lindos Paganena, Loren, Love Tunnel Two, Millet Lb, Minaccia, Morgane, Neat Knees, Nebulosa Gual, Nikki Groenhof, Nirvana Jet, Nonchalance Sas, Norwegian Dream, Notte di Ninfa, O’dalema Byrds, Open Air, Pacific Coast, Paradiesa, Pirol Island, Pocono Boko, Quirisha Boko, Racy, Rich Girl, Saratoga Yankee, Shae Boko, Shimmy Pine, Stella Maris, Sweet Release, Tamia, Ultra Boko, Umbra Houberg, Valdena, Victory My Way, Vrouwe van Unia, What a Spirit, Yljester, Yorin Starlake.

Der Anteil der gehobenen Sieger im deutschen Trabrennsport aus Mütter mit Inzucht aus den Jahren 2013 bis 2015 lag jedoch deutlich über der Marke von 15,6 Prozent. In der Saison 2013 waren es 23,8 Prozent, 2014 betrug der Anteil 25,9 Prozent und 2015 lag der Anteil bei 24,0 Prozent.

Sieger in gehobenen Rennen in Deutschland aus Stuten mit Inzucht

Saison 2015 25 gehobene Sieger 6 aus Mutter mit Inzucht 24,0 %
Saison 2014 27 gehobene Sieger 7 aus Mutter mit Inzucht 25,9 %
Saison 2013 21 gehobene Sieger 5 aus Mutter mit Inzucht 23,8 %

Bei einer Quote von 15,6 Prozent als Richtwert gelangen wir zu dem Ergebnis, dass Zuchtstuten mit Inzucht vermutlich prozentual deutlich mehr Sieger in gehobenen Rennen stellen als Stuten ohne Inzucht. Diese Vermutung trifft auch auf die deutschen Gruppe 1-Sieger der letzten Jahre zu.

Deutsche Gruppe 1-Sieger (Jahrgang 2000 – 2013) Mutter mit Inzucht

19 Pferde davon 4 Pferde aus Mutter mit Inzucht 21,1 %

Der Anteil der deutschen Gruppe 1-Sieger der Jahrgänge 2000 bis 2013 lag bei 21,1 Prozent. Allerdings sollte die geringe Anzahl an Sieger zur Vorsicht mahnen, hieraus ein verlässliches Ergebnis abzuleiten. Die vier deutschen Gruppe 1-Sieger aus einer Mutter mit Inzucht sind Unforgettable, Brioni, Unikum und Expo Espress.

Internationale Gruppe 1-Sieger (Jahrgang 2004 – 2013) Mutter mit Inzucht

Nordamerika 204 Pferde 65 Pferde 31,9 %
Italien 124 Pferde 31 Pferde 25,0 %
Schweden 154 Pferde 22 Pferde 14,3 %
Frankreich 159 Pferde 7 Pferde 4,4 %

Der Anteil der Gruppe 1-Sieger in Nordamerika aus Stuten, deren Pedigree auf Inzucht basiert, lag zuletzt über einen Zeitraum von zehn Jahren im Durchschnitt bei 31,9 Prozent. In der italienischen Traberzucht waren es 25,0 Prozent. Auch hier ist anzunehmen, dass der Anteil der Stuten mit Inzucht in der amerikanischen Traberzucht höher liegt als in vielen europäischen Traberzuchten. Wahrscheinlich auch in der italienischen Traberzucht, die schon immer stark an der amerikanischen orientiert war. Anders in Frankreich, wo der Anteil der Zuchtstuten mit Inzucht deutlich geringer liegen dürfte als im übrigen Europa.

Fazit
Erbgesunde Stuten mit Inzucht können für den Traberzüchter ein Gewinn darstellen. Sie sind gesuchte Objekte. Einige konkrete Beispiele:

Pine Spirit (4x2 Speedy Crown)
Mutter der Derby-Sieger Unforgettable und Expo Express und von Yankee Elmo (Sieger Breeders Crown 2009).

Miss Possessed (3x2 Valley Victory)
Sie zählt zu den aktuell erfolgreichsten Zuchtstuten in Europa. Mutter von Magic Tonight (Elitlopp-Sieger 2015), Rotary Ok (Sieger Marangoni 2013) und Testimonial Ok (Sieger Derby Italiano 2015).

Jambo (3x3 Speedy Crown)
Mutter der Deckhengste Ken Warkentin (Sieger Breeders Crown 2004) und Holiday Road (Sieger Peter Haughton 2009).

Yankee Blondie (3x5x3 Star’s Pride)
Mutter von Muscle Hill (Sieger Hambletonian 2009) und Diesel Don (Sieger Valley Victory 2004).

New York (3x3 Speedy Somolli / 3x2 Nesmile)
Mutter von Texas Style (3-fache Gruppe-Siegerin) und Combattante (2-fache Gruppe-Siegerin).

Malabar Mist (3x3 Super Bowl / 4x2 Speedy Crown)
Mutter des schwedischen Derby-Mitfavoriten Pacific Broline (Sieger Breeders Crown 2015).

Hepburn Broline (3x3 Speedy Somolli)
Mutter von Princess Face (Sieger E3 Finale 2015).

Up Front Jm (6x4x5x2 Speedy Crown)
Mutter der beiden Top-Rennpferde Oasis Bi (Sieger Gran Premio Lotteria 2016) und Robert Bi (Sieger Derby Italiano 2013).