Punk
vom 30.09.2015

Der Sieg von Punk in der Breeders Crown der älteren Hengste und Wallache kam keineswegs überraschend. Die diesjährige Bilanz des jetzt in Norwegen stationierten und von Jörg Brandt gezogenen Angus Hall-Sohns mit fünf Siegen bei sieben Starts und einem zweiten bzw. dritten Platz hatte sich bis nach Berlin herumgesprochen.

Zum Derby erstmals in Deutschland

Punk war den deutschen Rennsportfans bislang nur sporadisch aufgefallen. Seine Visitenkarte in Deutschland gab Punk erstmals 2012 als Viertplatzierter eines Derby-Vorlaufs ab. Besitzer des Hengstes zu diesem Zeitpunkt war Ger Vissers Vibelzee BV, Trainer Hugo Langeweg jr. Im Derby-Trostlauf musste sich Punk pikanterweise von CC Rider geschlagen geben, den Unglücksraben der Breeders Crown 2015.

Drei Monate später tauchte Punk noch ein weiteres Mal in Deutschland auf. In der Breeders Crown der dreijährigen Hengste und Wallache belegte der Hengst hinter CC Rider und Chapeau einen dritten Rang. Besitzer zu diesem Zeitpunkt war bereits Rune Hansen aus Norwegen, Trainer des Pferdes war Lutfi Kolgjini aus Schweden.

Es folgten zwei magere Jahre, die lediglich einen Sieg und ca. 9.000 Euro Gewinne einbrachten. Die Wende zum Guten trat ein, als Punk Ende November vergangenen Jahres in die Obhut von Bo Westergaard nach Norwegen gelangte und seit März dieses Jahres wieder „punktet“. Der Sieg in der Breeders Crown vergangenen Samstag sollte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Angus Hall-Nachkommen gewannen 80 Millionen Dollar

Punk ist bemerkenswert gezogen. Sein Züchter Jörg Brandt (Gestüt Stormy Horses) ist einer der erfolgreichsten Züchter in der Geschichte der Breeders Crown-Rennen. Vier Stormy Horses-Produkte (Stormy Pearl, Abasi, Banks, Punk) konnten sich in den letzten vier Jahren in die Siegerlisten der Breeders Crown eintragen.

Wer einen Blick auf das Pedigree von Punk wirft, dem wird zunächst nichts ungewöhnliches auffallen. Sein Vater Angus Hall ist einer von drei Hall-Söhnen, die die internationale Traberzucht in den letzten zehn Jahren revolutioniert haben. In erster Linie trifft dies auf Andover Hall zu, den jüngsten der drei Musketiere aus der No-Name-Stute Amour Angus. Als Vater von Donato Hanover hat Andover Hall Zuchtgeschichte geschrieben.

Angus Hall, der mittlere der drei Hall-Söhne, hat in Kanada nicht den Zugang zu den blaublütigen Stuten Amerikas gefunden. Trotzdem gewannen seine Nachkommen allein in Nordamerika mehr als 80 Millionen Dollar. Seine erfolgreichsten Söhne und Töchter sind Peaceful Way (2.746.240 Dollar), Majestic Son (1.756.883 Dollar), Elusive Desire (1.275.827 Dollar), Winning Mister (1.116.484 Dollar) und Frenchfrysnvinegar (1.084.814 Dollar).

Die Verbindung mit der SJ’s Photo-Tochter Primavera kann als gelungen bezeichnet werden. In Amerika beträgt die Durchschnittsgewinnsumme der Angus Hall-Nachkommen aus SJ’s Photo-Töchtern 117.000 Dollar. Das ist das Dreifache der Durchschnittsgewinnsumme aller Angus Hall-Nachkommen in Nordamerika.

Punk mit russischen Wurzeln

Richtig interessant wird das Pedigree von Punk, wenn man weit genug in die Vergangenheit zurückschaut. Punks mütterliche Herkunft liegt in der Orlow-Zucht.

1944 kam Reinhold Bekeris, ein erfolgreicher Trabertrainer aus dem Baltikum, mit einem Treck von Traberpferden aus Lettland in Hohenwestedt, Schleswig-Holstein, an. Mit zum Treck gehörten der Deckhengst Arion Gay, die Zuchtstute Makalena, ihre Jährlingstochter Stella polaris und die zweijährige Lena Hasty. Uns interessiert Stella polaris, die sechste Mutter des Breeders Crown-Siegers Punk.

Stella polaris konnte bei 63 Starts drei Siege erringen. Eine durchschnittliche Bilanz. Ihr Wert lag in der Zucht. Für Markus Vierth in Osterstedt brachte sie zwischen 1950 und 1965 14 Nachkommen zur Welt, von denen zwölf einen Rekord erreichten und zehn überdurchschnittliches Können besaßen.

Allen voran der 1960 geborene Permit-Sohn Polardachs, der seine ersten 27 Rennen in Serie gewann. Eine sensationelle Bilanz. Zur Beute des Hengstes gehörten die Zuchtrennen Deutschland-Pokal, Großer Preis von Bahrenfeld, Bürgermeister Schröder-Rennen und zweimal das Otto Nagel-Rennen. Polardachs kam später in der holländischen Traberzucht zum Einsatz und zählte lange Jahre zu den gefragtesten Deckhengsten unseres Nachbarlandes.

Ein weiterer erwähnenswerter Nachkomme der Stella polaris war ihr 1953 geborener Sohn Polarforscher v. Prolog, der sich den Sieglorbeer im Germania Preis und im Großen Alster-Preis sicherte. Auch Polarforscher wurde zur Zucht herangezogen. Seine 140 Nachkommen hinterließen keine nennenswerten Spuren.

Von Bedeutung waren zwei Töchter der Stella polaris, die 1961 geborene Polarmädel v. Permit und die 1963 geborene Polarsonne v. Bibijunge. Polarsonne hatte für Hans Vierth zwischen 1971 und 1985 acht Nachkommen. Ihr erstes Produkt, die Duke of Decatur-Tochter Polarfürstin, gewann 1977 den Großen Daglfinger Stutenpreis.

Polarmädel gehörte Claus Vierth und brachte zwischen 1969 und 1979 acht Fohlen zur Welt. Ihre 1974 geborene Tochter Polarhoop v. Blaze Hope ist das Verbindungsstück zu Punk. Polarhoops erster Nachkomme, die 1982 geborene Chip-Tochter Pussy Cat, war mit Abstand ihr Bester.

Pussy Cat war insbesondere in Berlin eine Macht. 38 Siege und über 80.000 Euro Gewinne errang die Stute während ihrer Rennkarriere unter der Regie von Rolf Hafvenström. Nach Beendigung ihrer Rennlaufbahn wurde Pussy Cat der Zuchtstutenherde von Sophus Abel in Heinkenborstel eingegliedert.

Obwohl Pussy Cat mit Blaze Hope und Chip zwei schwache Vererber in ihrem mütterlichen Pedigree besaß, brachte die Stute mit ihrem zweiten Produkt Pussy Dream v. Shane Scottseth (geb. 1992) ein Jahrgangsspitzenprodukt. Pussy Dream war 1994 für die Farben von Ronald Nooteboom und in der Hand von Cees de Leeuw Zweite im Championat der Zweijährigen und Dritte im Deutschen Zweijährigen-Preis sowie im Stuten Gold-Pokal.

Pussy Dreams vierter Nachkomme in der Zucht war 2002 die SJ’s Photo-Tocher Primavera, die für Rechnung des Stalles November zweijährig den Preis des Winterfavoriten gewann und dreijährig den Großen Preis der NRZ und das Buddenbrock (gegen den späteren Derby-Sieger Unforgettable). Das Stuten-Derby verlor Primavera als 13:10-Favoritin sensationell gegen St. Tropez. Im Jahrgang stand Primavera auf Augenhöhe mit Playgirl November, ihrer Stallgefährtin., die sie sowohl im Preis des Winterfavoriten als auch im Adbell Toddington schlug, der sie aber in der Breeders Crown 2006 unterlegen war.

Nach dem Rückzug des Stalles November vom Rennsport ergab sich für Jörg Brandt die Gelegenheit, seine erstklassige Mutterstutenherde mit Primavera um ein weiteres Prachtexemplar zu ergänzen. 2009 brachte die Stute nach Angus Hall Punk zur Welt, 2011 den Igor Font-Sohn Südsturm. Seitdem fehlt jegliches Lebenszeichen von Primavera. Es wäre schade, wenn eine Stute dieser Qualität für die Zucht aus welchen Gründen auch immer verloren gehen würde.

Nachstehend die Sieger gehobener Rennen (in Fett) aus der Familie der Makalena.

Die Familie der Makalena 1:31,2 (LV), geb. 1935 v. McAfee (US) – Lennok (EE)
..1 Stella polaris 1:27,8 (1943-Poplar Hill) POLARFORSCHER, POLARDACHS
....2 Polarmädel 1:22,9-8.845 Euro (1961-Permit)
......3 Polarhoop 1:24,6-1.943 Euro (1974-Blaze Hope)
........4 Pussy Cat 1:16,9-81.807 Euro (1982-Chip)
..........5 Pussy Dream 2, 1:16,3-73.761 Euro (1992-Shane Scottseth) PRIMAVERA
............6 Primavera 3, 1:14,1-127.382 Euro (2002-SJ's Photo) PUNK
....2 Polarsonne 1:23,3 (1963-Bibijunge) POLARFÜRSTIN
..1 Maka Gay 1:24,0 (1944-Arion Gay)
....2 Mariantje 1:26,4 (1953-Bibijunge) MALER, MARIVAN
..1 Mana Hinda 1:24,8 (1949-Hindu) Isaak
..1 Mara Gay 3, 1:32,7 (1951-Arion Gay)
....2 Paipala 1:24,5 (1956-Leo Bush)
......3 Schonebeckerin 1:19,5-30.217 Euro (1963-Io d'Amour)
........4 Samarkand (1972-Morai)
..........5 Safety 1:18,8-66.212 Euro (1977-Ast) SAFARI
............6 Safari  1:15,9-74.930 Euro (1986-Meadow Nevele) SAVANNE