Soo! muss Zuchtbuchführung
vom 06.01.2015

(jg) – Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass Traber-News.com den deutschen Traberzuchtverband des öfteren kritisiert. Dies geschieht nicht aus Selbstgefälligkeit, sondern weil wir es als unsere Pflicht ansehen, Missstände anzusprechen.

Ein Missstand betrifft die Zuchtbuchführung. Wer kann sich z.B. an die letztmalige Veröffentlichung eines Geburtenregisters erinnern? Es war 2001! Geschichtslos geht der Zuchtverband auch mit den Rennberichten um, die nach 12 Monaten gelöscht werden. Eine private Website sorgt dankenswerterweise dafür, dass wenigstens die Leistungsdaten öffentlich erhalten bleiben.

Auf hvt.de lesen wir unter Aufgaben des HVT:

Weiterhin ist er Herausgeber des Deutschen Traber-Gestüt-Buches, das als umfassende, objektive Informationsbasis eine unentbehrliche Grundlage für alle Aktiven darstellt. In ihm sind der absolute Rekord und die Lebensgewinnsumme der gesamten, vom HVT betreuten Population angegeben.

Von einem Deutschen Traber-Gestüt-Buch kann seit über 10 Jahren nicht mehr die Rede sein. Heutzutage würde man wohl auf die Datenbank verweisen, die jedoch so fehlerhaft und unvollständig ist wie die letzte gedruckte Ausgabe des Gestüt-Buches.

Vor Monaten richtete der Verfasser dieser Zeilen eine Bitte an das Präsidium, die jährlichen Geburtenregister zu veröffentlichen. Aber man will oder kann es nicht. Die oft gehörte Ausrede, der HVT habe kein Personal und keine finanziellen Mittel, täuscht nicht über die eigene Unfähigkeit und das Unvermögen hinweg. Das in der Anlage privat aufgeführte Geburtenregister 2014 haben wir zwar in mühevoller Kleinarbeit, aber binnen 24 Stunden zusammengestellt. Mit einer funktionierenden Datenbank hätte dies Minuten gedauert. Dem Präsidenten ist es aber wichtiger, den regelmäßigen Flughafenchauffeur zu spielen, anstatt sich um züchterische Belange zu kümmern.

Natürlich können wir nur auf das zurückgreifen, was die Datenbank uns anbietet. Wie befürchtet, ist das nicht viel. So haben wir festgestellt, dass nur ca. 75 Prozent der von uns im anliegenden Geburtenregister aufgeführten Pferde im Trabrennkalender als Fohlengeburten veröffentlicht wurden. Populationen gewisser Zuchtstätten (z.B. Leo Beckmann, Peter Heitmann, Christian Tausent) kommen in den Veröffentlichungen überhaupt nicht vor.

Ein Beispiel für die üblichen, massenhaften Irrtümer in der HVT-Datenbank ist der Hengst Virgill Boko, der für Holland den Großen Preis der U.E.T. gewonnen hat. Virgill Boko ist beim HVT zu einem Pferd deutscher Nationalität geworden. Das muss jedem Holländer weh tun. Als ob Uwe Seeler Italiener wäre.

Kommen wir auf das eigentliche Thema zurück, das Geburtenregister 2014. Zum jetzigen Zeitpunkt finden wir 450 Eintragungen. 213 Hengstfohlen stehen 236 Stutfohlen gegenüber. Dieses Ergebnis kommt dem Vorjahresergebnis (469 Eintragungen) überraschend nahe. Bei einer Eintragung (Heras Traum v. Obsession November – Heras Josefine) ist das Geschlecht anscheinend nicht feststellbar.

Der Grund für die in etwa stabil gebliebene Population gegenüber 2013 ist in einer starken Präsenz von Züchtern zu vermuten, die ihren Wohnsitz nicht im HVT-Bereich haben. Französische, belgische, dänische, österreichische und insbesondere holländische Züchter schönen das Ergebnis. Mag man die starke ausländische Präsenz einerseits begrüßen, andererseits macht sie deutlich, auf welch schwachen Beinen die deutsche Zucht steht. Allein mehr als 120 Eintragungen stammen von Züchtern aus Holland. Würden diese morgen in den HVT eintreten…

Insgesamt 113 Hengste zeichnen für das Geburtenregister 2014 verantwortlich. Im Schnitt besitzt jedes Vaterpferd vier Nachkommen. Angeführt wird das Geburtenregister von:

Abano As: 27 Nachkommen
Love You: 24 Nachkommen
Quick Wood: 23 Nachkommen
Dream Vacation: 14 Nachkommen
Lets Go: 11 Nachkommen
Muscles Yankee: 11 Nachkommen
Russel November: 11 Nachkommen
Gustav Diamant: 10 Nachkommen
Prodigious: 10 Nachkommen
Virgill Boko: 10 Nachkommen

Nach Nationalität der Vaterpferde ergibt sich folgendes Bild:

Vaterpferde mit deutscher Nationalität: 38 Nachkommen
Vaterpferde mit amerikanischerer Nationalität: 33 Nachkommen
Vaterpferde mit französischer Nationalität: 23 Nachkommen
Vaterpferde mit schwedischer Nationalität: 8 Nachkommen
Vaterpferde mit italienischer Nationalität: 8 Nachkommen
Vaterpferde mit holländischer Nationalität: 3 Nachkommen

Prozentual auf die Anzahl der Nachkommen bedeutet das:

Vaterpferde mit deutscher Nationalität: 33 % der Population
Vaterpferde mit amerikanischerer Nationalität: 26 % der Population
Vaterpferde mit französischer Nationalität: 27 % der Population
Vaterpferde mit schwedischer Nationalität: 6 % der Population
Vaterpferde mit italienischer Nationalität: 5 % der Population
Vaterpferde mit holländischer Nationalität: 3 % der Population

Zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Traberzucht, soweit unser Gedächtnis zurückreicht, ist der Anteil Geburten von französischen Hengsten größer als der Anteil von amerikanischen Hengsten. Das liegt zum einen am totalen Zusammenbruch der Importe aus Amerika, zum anderen an den meistens sehr viel preiswerteren Decktaxen französischer Hengste mittels Gefrierbesamung.

Das Geburtenregister 2014