Über gute und weniger gute Jahrgänge
vom 08.07.2015

(jg) – Es ist manchmal erstaunlich, mit welch unterschiedlicher Qualität Jahrgänge ausfallen können. Traber-News.com hat die deutschen Traber-Jahrgänge ab dem Geburtsjahr 2000 einer näheren Betrachtung unterzogen.

Hierzu ist es notwendig, Qualität zu definieren. Gewinne oder Rekorde allein können kein alleiniger Maßstab sein. Die Gewinnmöglichkeiten für einen deutschen Traber sind auf heimischen Rennbahnen mangels hochdotierter Rennen seit Jahren rückläufig. Nehmen wir die Jahre 2000 und 2014 als Beispiel. Während im Jahr 2000 noch 75 (!) Rennen mit einer Mindestdotation von 50.000 DM (25.000 Euro) in Deutschland zur Austragung gelangten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 28 Rennen mit einer Mindestdotation von 25.000 Euro.

Auch die Rekorde purzeln allerorten fast wie am Fließband. So unterbot am vergangenen Wochenende Cash Hanover in Berlin den 15 Jahre alten Dreijährigenrekord über die Mitteldistanz von Abano As von 1:12,7 auf 1:12,6, Your Highness lief in Halmstad mit 1:09,7 schwedischen Rekord für ältere Stuten und Pinkman trabte auf Pocono Downs (USA) mit 1:09,4 Weltrekord für dreijährige Wallache auf 1000-Meter-Bahnen. Pferde der Alltagsklasse laufen heute genauso schnell oder schneller wie Pferde, die vor 20 Jahren absolute Weltklasse darstellten. Wir sind daher der Meinung, nur Ergebnisse im internationalen Vergleich können über die Qualität eines Jahrgangs Auskunft geben.

Um eine Klassifizierung der Pferde herbeizuführen, haben wir uns der Vorgaben des Manifestes „International Agreement on Trotting Races“ bedient. Das Regelbuch der UET sieht drei Gruppen von Listenrennen vor. Gruppe 1 mit einer Mindestdotation von 100.000 Euro und ohne Einschränkungen außer dem Alter der Pferde, Gruppe 2 mit einer Mindestdotation von 45.000 Euro und Gruppe 3 mit einer Mindestdotation von 25.000 Euro.

Für die Gruppe der Rennen mit einer Mindestdotation von 100.000 Euro haben wir für eine Platzierung auf den Rängen eins bis fünf 100-50-24-16-10 Punkte vergeben. Für Gruppe 2-Rennen lautet unsere Punkteverteilung 40-20-10-6-4 Punkte und für Listenrennen 20-10-5-3-2 Punkte. Gewertet wurden alle Gruppe 1-Rennen in Europa, alle Gruppe 2-Rennen in Deutschland, Frankreich und Schweden sowie Jahrgangsrennen im übrigen Europa, und alle deutschen Listenrennen der Kategorie 3 ohne Gewinnsummenbeschränkung. Nationale Rennen mit einer Dotierung von weniger als 25.000 Euro blieben unberücksichtigt.

Nun zu den einzelnen Jahrgängen und unsere Einschätzung in Bezug auf die Qualität. Vorangestellt sei, dass die deutsche Traberzucht in den Jahren 1997 bis 1999 international sehr erfolgreiche Pferde hervorgebracht hat. Das waren außergewöhnlich starke Jahrgänge. Abano As und Freiherr As (1997), Oscar Schindler Sl und Zerberus (1998), Lets Go und Pablo As (1999) siegten auf höchstem internationalen Gruppe 1-Niveau.

Jahrgang 2000: MINUS Weinend

1. Nelson November 2. Atoll Plage 3. Santana Diamant

Nelson November (247 Punkte Inland + 34 Punkte Ausland) und Atoll Plage (144 Punkte Inland + 14 Punkte Ausland) waren die Erfolgreichsten im Jahrgang. Beiden Pferden gelangen auf internationaler Bühne lediglich ein paar nette Platzierungen. Ansonsten trat dieser Jahrgang nicht sonderlich in Erscheinung.

Jahrgang 2001: PLUS Lächelnd

1. Orso November 2. Ornellaia 3. Opera November

Ein starker O-Jahrgang. Orso November (311 Punkte Inland + 70 Punkte Ausland), Ambassador As (198 Punkte Inland) und Copper Beech (5 Punkte Inland + 182 Punkte Ausland) hießen die Jahrgangscracks, wobei Copper Beech international am erfolgreichsten war. Ornellaia (206 Punkte Inland) und Opera November (161 Punkte Inland + 40 Punkte Ausland) standen an der Spitze des schwachen Geschlechts. Letztere gewann als einzige deutsche Stute dieses Jahrhunderts ein internationales Gruppe-Rennen im Ausland (Orsi-Mangelli Filly, Gruppe 2).

Jahrgang 2002: PLUS Lächelnd

1. Unforgettable 2. Gustav Diamant 3. Playgirl November

Wieder ein starker Jahrgang. Unforgettable (352 Punkte Inland + 264 Punkte Ausland) und Gustav Diamant (183 Punkte Inland + 66 Punkte Ausland) legten international mehrfach Ehre für die deutsche Traberzucht ein. Das Primat der Stuten gehörte Playgirl November (185 Punkte Inland + 4 Punkte Ausland) und Primavera (135 Punkte Inland).

Jahrgang 2003: PLUS Lächelnd Lächelnd

1. Brioni 2. Russel November 3. Sir Karan

Der stärkste Jahrgang der deutschen Traberzucht bislang in diesem Jahrhundert. Brioni (40 Punkte Inland + 712 Punkte Ausland), Russel November (145 Punkte Inland + 560 Punkte Ausland), Sir Karan (233 Punkte Inland), Classic Grand Cru (16 Punkte Inland + 190 Punkte Ausland), Corleone (146 Punkte Inland + 50 Punkte Ausland) und Armstrong As (173 Punkte Inland) waren die Aushängeschilder. Brioni und Russel November setzten sich gegen die Besten Europas durch. Das schwache Geschlecht hingegen spielte überhaupt keine Rolle.

Jahrgang 2004: MINUS Weinend

1. Why Not As 2. Mona Lisa As 3. Lotis Photo

Während der Jahrgang 2003 wohl als der Beste der vergangenen Jahre angesehen werden kann, war der Jahrgang 2004 wahrscheinlich der Schwächste. Why Not As (172 Punkte Inland) und Lotis Photo (100 Punkte Inland) bei den Hengsten bzw. Mona Lisa As (110 Punkte Inland) bei den Stuten waren nur zu Hause erfolgreich, international aber nicht konkurrenzfähig.

Jahrgang 2005: PLUS Lächelnd

1. Nu Pagadi 2. Bagley 3. Noxean Com

Dieser Jahrgang besaß mit Nu Pagadi (235 Punkte Inland + 276 Punkte Ausland) und Bagley (126 Punkte Inland + 78 Punkte Ausland) zwei Herausgucker, die sowohl national als auch international größte Erfolge erzielten. Damit erhält der Jahrgang von uns ein Daumen hoch.

Jahrgang 2006: MINUS Weinend

1. Marc Burgerheide 2. Zar As 3. Jag Junior

Kein guter Jahrgang. Marc Burgerheide (102 Punkte Inland + 4 Punkte Ausland) und Zar As (100 Punkte Inland) rangieren in unserer Punktewertung ganz oben, international war mit ihnen jedoch kein Staat zu machen. Jag Junior (87 Punkte Inland) gewann zwar in Frankreich, jedoch kein Listenrennen.

Jahrgang 2007: MINUS Weinend

1. Baltimore As 2. Unikum 3. Velten Couture

Baltimore As (165 Punkte Inland + 4 Punkte Ausland) war das Aushängeschild dieses Jahrgangs. Unikum (122 Punkte Inland) vermochte nach dem Derby nie wieder zu überzeugen und auch Velten Couture (45 Punkte Inland + 50 Punkte Ausland) ließ später echte Klasse vermissen. Positiv zu erwähnen wäre Armando Kievitshof. Insgesamt können wir diesem Jahrgang dennoch nicht viel Gutes abgewinnen.

Jahrgang 2008: MINUS Weinend

1. Lobell Countess 2. Impact As 3. What a Feeling

Wenn an der Spitze eines Jahrgangs eine Stute steht, sagt dies in der Regel viel über die Qualität des Jahrgangs aus. Derbysiegerin Lobell Countess (210 Punkte Inland + 16 Punkte Ausland) war die unumstrittene Nr. 1 im Jahrgang und ist immerhin die einzige Stute deutscher Zucht, die sich in diesem Jahrhundert in einem europäischen Gruppe 1-Rennen platzieren konnte (Vierte Gran Premio Orsi-Mangelli, Gruppe 1). Impact As (82 Punkte Inland) und What a Feeling (74 Punkte Inland) hingegen fehlte es an Durchsetzungsvermögen auf gehobenem internationalen Parkett.

Jahrgang 2009: PLUS Lächelnd

1. Indigious 2. Dream Magic BE 3. Georgina Corner

Wahrscheinlich ist es noch ein wenig zu früh, über diesen und jüngere Jahrgänge abschließend ein Urteil zu fällen. Dennoch heben wir den Daumen nach oben, da wir der Meinung sind, dass einige Vertreter dieses Jahrgangs ihre Leistungsgrenze noch nicht erreicht haben und vielleicht schon bald in die Sphäre internationaler Spitzenklasse vorstoßen könnten. Im Moment steht diesem Jahrgang Indigious (70 Punkte Inland + 126 Punkte Ausland), Dream Magic BE (161 Punkte Inland) und Georgina Corner (100 Punkte Inland) vor. Banks (90 Punkte Inland), Chapeau (15 Punkte Inland + 50 Punkte Ausland) und King of the World (45 Punkte Inland) werden sicherlich noch ihre Chance erhalten.

Wir stellen fest, dass die Jahrgänge zwischen 2000 und 2004 insgesamt von höherer Qualität gewesen sind als die nachfolgenden Jahrgänge von 2005 bis 2009. Dies ist sicherlich einer rezessiven deutschen Traberzucht geschuldet, die 2000 noch eine Population von 2.000 Pferden besaß, 2009 hingegen nur noch 624. Auffallend ist auch die eklatante Schwäche der Stuten. Nur zwei Stuten waren in der Lage, international auf Gruppe 1- oder Gruppe 2-Niveau zu punkten.