Zum Abschied ein Derby-Sieger
vom 13.08.2015

(jg) – Vor zwei Jahren berichtete Traber-News.com, dass die renommierte Zuchtstätte Gestüt Kievitshof mit der Derby-Auktion 2013 ihren Abschluss gefunden hat (siehe Archiv Seite 19 v. 8.8.2013).

Der Jährlingshengst Ferrari Kievitshof mit der Nr. 73 war das letzte Pferd aus der Zucht von Frederik Maarsen, das über die Derby-Auktion verkauft worden ist. Damals konnte allerdings noch niemand ahnen, dass das Buch der Geschichte dieser Zuchtstätte noch um einen weiteren erfolgreichen Abschnitt ergänzt werden sollte. Das wohl letzte Kapitel trägt den Namen Ferrari Kievitshof, Sieger im Deutschen Traber-Derby 2015.

Ferrari Kievitshof wurde am 3. August 2013 im Rahmen der Derby-Auktion für 36.000 Euro von der Besitzergemeinschaft Gerrits Recycling Group und Roman Thomaskamp erworben. Die Gerrits Recycling Group hatte sich zuvor bereits drei Brüder des jüngsten Derbysiegers gesichert, den 2002 geborenen Ufo Kievitshof v. Supergill, den 2007 geborenen Adamo Kievitshof v. SJ’s Photo und dessen 2009 geborenen Vollbruder Carlos Kievitshof. Ferrari Kievitshof gelangte in die erfahrenen Hände von Paul Hagoort, der mit Zar As, Clint W Boko, Tiger Woods As und Robert Bi bereits mehrere Derby-Sieger entwickelt hat.

Am 12. November 2014 wurde Ferrari Kievitshof erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Schon damals eilte dem Hengst ein guter Ruf voraus. In einer mit drei Pferden bestückten Zweijährigenqualifikation stellte Paul Hagoort Ferrari Kievitshof persönlich vor und erzielte mit dem Hengst eine Leistung von 1:16,9 über die Meile. Vor Ferrari Kievitshof endete in dieser Feststellungsprüfung lediglich der zu diesem Zeitpunkt wesentlich weiter entwickelte Fortune Boko, der zuvor bereits den Preis des Winterfavoriten in 1:16,4 gewonnen hatte.

Die Derby-Saison 2015 sah Ferrari Kievitshof erstmals am 8. April in Wolvega am Ablauf. 1:16,2 / 2100 Meter in der Qualifikation genügten, um die Renntauglichkeit zu erlangen. Ferrari Kievitshofs Rennbilanz ist bislang makellos. Sechs Auftritte und sechs Siege folgten. Zunächst am 1. und 13. Mai in Gelsenkirchen, wo er gegen die Italiener Triomphe Ferm bzw. Tristano ohne Mühe die Oberhand behielt. Knifflig war sein Erfolg am 6. Juni in Wolvega. Nach einer Startgaloppade bewahrte ihn ein Fehlstart vor einer möglichen Niederlage.

Im Buddenbrock-Trial 2a am 21. Juni in Gelsenkirchen stand die von Lordano Ass angeführte Konkurrenz erneut auf verlorenem Posten. Es folgten die jeweils souveränen Auftritte von Ferrari Kievitshof im Vor- bzw. Endlauf zum Deutschen Traber-Derby mit Robin Bakker im Sulky.

Ferrari Kievitshof besitzt zu 100 Prozent amerikanisches Traberblut. Sein Vater Credit Winner 3, 1:10,8 / 1.495.295 Dollar ist mit Abstand der erfolgreichste Nachkomme seines Vaters American Winner 3, 1:10,0 / 1.302.451 Dollar und gilt als die beste Option auf die Erhaltung der Super Bowl-Hengstlinie in Nordamerika. Der Hambletonian-Zweite von 2000 besitzt mit Chocolatier, Crazed, Here Comes Herbie, Archangel, Dejarmbro, Calchips Brute, Judge Joe und Napoleon eine Vielzahl hoffnungsvoller Söhne in der Zucht, ohne bislang den großen Zuchttreffer gelandet zu haben. Ein Urteil über die Zukunft der Super Bowl-Hengstlinie sollte man aber jetzt noch nicht fällen.

Ferrari Kievitshofs Mutter Shes Got It All ist ungeprüft. Als Zuchtstute erwies sie sich jedoch von besonderer Güte. Die 1997 geborene Balanced Image-Tochter kam 2001 nach Deutschland. Ihre im selben Jahr geborene Tochter Tosca Kievitshof v. Muscles Yankee befindet sich lt. HVT-Angaben immer noch in der Fohlenaufnahme! Vor ihrer Einfuhr nach Deutschland hatte Shes Got It All in den USA im Jahr 2000 die Wesgate Crown-Tochter Sarahs Crown geboren. Die Stute erreichte auf amerikanischen Bahnen einen Rekord von 1:14,8 und 72.122 Dollar Gewinne.

Ihren ersten Knaller gebar Shes Got It All 2002 mit Ufo Kievitshof. Der für die Farben der Gerrits Recycling Group startende Supergill-Sohn belegte im Deutschen Traber-Derby 2005 mit Hugo Langeweg einen eindrucksvollen zweiten Platz zu Unforgettable. Diese Leistung war umso bemerkenswerter, als Ufo Kievitshof den größten Teil des Rennens in der sogenannten „Todesspur“ gelaufen war. Seinen Rekord von 1:12,0 erzielte Ufo Kievitshof zwei Jahre später in der Mariendorfer Rekord-Meile, um einen Hals geschlagen von Gustav Diamant. Der später auch in Frankreich siegreiche Ufo Kievitshof verrichtete zuletzt Deckdienste auf der Greenwood Farm nahe der deutsch/holländischen Grenze.

Ihren zweiten Ausnahmetraber brachte Shes Got It All 2005 mit Yogi Kievitshof. Dieser Coktail Jet-Sohn startete für die holländischen Farben von Vibelzee und war 2008 Sieger eines Derby-Vorlaufs. Im Finale war er Vierter hinter Nu Pagadi, Yardley Rich und Sir Hajo. Später wurde Yogi Kievitshof in die Schweiz verkauft, wo der Hengst unseres Wissens nach auch im Alter von 10 Jahren noch aktiv ist.

Auch die SJ’s Photo-Söhne Adamo Kievitshof (geb. 2007) und Carlos Kievitshof (geb. 2009) liefen für die Farben der Gerrits Recycling Group, besaßen aber nicht die Klasse ihrer Brüder Ufo, Yogi und Ferrari. Adamo Kievitshof siegte in Norwegen in 1:12,8 und war während seiner kurzen Rennkarriere nur einmal außerhalb der Geldränge. Der Hengst gewann acht seiner 17 Starts und belegte im Schwarzer Steward-Rennen 2011 einen fünften Rang. Auch Carlos Kievitshof endete später in Norwegen, ohne jedoch jemals ein Rennen siegreich beendet zu haben.

Weniger erfolgreich erwiesen sich die Töchter der Shes Got It All. Die 2004 geborene Welcome Diamant, ehemals Welcome Kievitshof v. Diamond Way, fand ihre Bestimmung in der Zucht. Ihr erstes Produkt, die 2010 geborene Whinny Love v. Love You, ist ein feines Pferd auf lokalem Niveau. Die 2010 geborene Demi Kievitshof v. Love You fand nie den Weg in den Siegerzirkel. Auch ihr gehört jetzt die Hoffnung auf eine erfolgreiche Zuchtkarriere. Für die 2013 geborene Of Course v. Ganymede steht eine Beurteilung naturgemäß noch aus. Das jüngste Produkt der Shes Got It All ist ein Stutfohlen nach Baltimore As.

Ein umfassender Blick auf das Pedigree des frischen Derby-Siegers Ferrari Kievitshof offenbart, dass der Hengst nach klassischen Erfolgsrezepten gezüchtet ist. Sein Vater Credit Winner vereint in den ersten drei Generationen je zweimal die Hengstlinie von Star’s Pride (Super Bowl und Nevele Pride) und Speedy Crown (Speedy Somolli und Armbro Goal). Auch in der unteren Pedigreehälfte von Shes Got It All sind beide Hengstlinien präsent. Muttervater Balanced Image fügt das Noble Victory-Blut hinzu. Somit ist Ferrari Kievitshof 3x4 auf Super Bowl und 5x4x4 auf Speedy Crown linengezogen. Das Star’s Pride-Blut erscheint in den ersten sechs Generationen siebenmal. Das Pedigree ist frei von den aktuellen Hengstlinien von Valley Victory und Garland Lobell.

Die Mutterlinie von Ferrari Kievitshof führt auf die 1868 geborene amerikanische Stammmutter Minnehaha zurück, eine der erfolgreichsten Familien der amerikanischen Traberzucht. Auch wenn die nähere Verwandtschaft von Ferraris Mutter Shes Got It All in den letzten Jahren in Nordamerika keine Schlagzeilen erzeugt hat, so findet man dennoch genügend Empfehlungen. Die 1987 geborene Großmutter Yentl v. Joie De Vie ist eine Halbschwester zu den italienischen Jahrgangscracks Poldi Om (1990 v. Zebu) 1:14,9 – 204.995 Euro und Silva Om (1992 v. Indro Park) 1:15,0 – 151.771 Euro und Yentl selber brachte mit Yentls Iceman (1992 v. Balanced Image) 1:11,2 – 443.925 Dollar, Amesbury (2001 v. SJ’s Photo) 1:12,1 – 366.240 Dollar und Yentls Image (1991 v. Balanced Image) 1:12,0 – 234.909 Dollar drei Großverdiener in der Zucht.

Als vierte Mutter von Ferrari Kievitshof finden wir die Jahrgangsspitzenstute Spotlite Hill (1974 v. B.F. Coaltown), Mutter des erfolgreichen Deckhengstes Spotlite Lobell (1984 v. Speedy Somolli). Sie ist eine Vollschwester zu Summer Hill (1975 v. B.F. Coaltown), die in der deutschen Traberzucht Make Limburgia (1995 v. Minnesota Viking) brachte, Sieger in der Trophäe der Dreijährigen 1998.

Wie zu vernehmen ist, soll Ferrari Kievitshof auf das Europachampionat der Dreijährigen am 30. September in Laval (Frankreich) vorbereitet werden. Dort wird der Hengst aller Voraussicht nach auf die Elite-Klasse von Frankreichs C-Jahrgang treffen. Das wäre der interessante Vergleich, wo der deutsche Jahrgang 2012 international derzeit einzuordnen ist. Den Vergleich mit einem italienischen Spitzenpferd kennt Trainer Paul Hagoort exklusiv. Sein dreijähriger Crack Tuonoblu Rex wird allerdings im italienischen Derby starten. Auch die schwedische Spitzenklasse wird kaum in Laval vertreten sein, da nur wenige Tage zuvor die hochdotierten Kriterium-Rennen stattfinden.